Als Antiquar auf der CEBIT

15. März 2010

Dieses Jahr besuchte ich wieder mal die CEBIT. Schwerpunkte meines Rundgangs durch die Technikwelt waren die Stände von Scannerherstellern, insbesondere interessierte mich, Buch-Scanner life in Aktion zu sehen und Gespräche mit den Standvertretern zu führen. Eine faszinierende Entwicklung war zu bewundern. Dabei werden unterschiedlichste Techniken eingesetzt: Scannen mittels Filmkameras, beweglichen Scan-Stäben, Laser-Zeilenscanner usw. In Deutschland gibt es ca. 3-5 namhafte Unternehmen. Die Preise der Gerätschaften reichen von 25.000 Euro bis 150.000 Euro. Geschwindigkeit und Qualität ist z. Teil recht unterschiedlich. Besonders beeindruckend die Scan-Roboter, die die eingelegten Bücher selbständig umblättern, 1200 bis 1500 Seiten scannen und mit sehr geringen manuellen Prozesseingriffen auskommen.

Erstaunlich, dass ich niemanden an diesen (technischen) Produktständen traf, der von dem Angebot von KIRTASBOOKS gehört hatte: Digitize on demand antiquarischer Bücher mit anschließendem Reprint on demand. Aber alle fanden diese neue Geschäftsidee sehr interessant und wollten über eigene Möglichkeiten nachdenken.

Kurz nach meinem CEBIT-Besuch stieß ich auf eine kleine Zeitungsnotiz, in der der De Gruyter Verlag ein großes Digitalisierung- und Reprint-Projekt früher verlegter Fachbücher ankündigte: 60.000 Bücher sollen auf diese Weise erneut angeboten werden. Allerdings soll der Mindestpreis pro Buch bei 89,95 EURO liegen.

“Ein vergleichbares Book-on-Demand-Angebot gibt es nach Angaben einer Verlagssprecherin weltweit nicht” war zu lesen. Wohl ein “Marketing-Irrtum” wie der Blick auf die “KIRTASBOOKS”-Seite zeigt.

Aber der Vorgang unterstreicht, dass die Welle in Deutschland angekommen ist.

Diese Woche steht ein mehrtägiger Besuch auf der Leipziger Buchmesse in meinem Kalender.
…. Einer der diesjährigen Schwerpunkte:  Die Digitalisierung !! Es gibt sogar einen eigenen Programm-Guide, den man sich im Vorwege besorgen kann, um aus der Vielzahl der Veranstaltungen auszuwählen.

Neben dem obligatorischen Stöbern nach gedruckten Büchern sicher auch einer meiner Besuchsschwerpunkte.

ALI

Digitalisierung unserer Bibliotheken - Babylonische Wiedererrichtung Alexandrias

13. Februar 2010

Seitdem ich mich näher mit diesem aufkommenden Thema beschäftige und aufmerksam auch die Gazetten nach entsprechenden Artikeln durchsehe bzw. sensibilisiert im Web nach diesem Trend suche, fühle ich mich in meiner Einschätzung stark bestätigt. Im Spiegel der vergangenen Woche erschien ein umfangreicher Artikel über ein beachtenswertes Vorhaben der “Deutschen Digitalen Bibliothek” (siehe auch Spiegel-Archiv), das von der Bundesregierung im Dezember 2009  -auch als Gegenpol zu Google-Books- beschlossen wurde:
Ziel ist es, neben Millionen an Büchern auch Filme, Bilder und Tonaufnahmen im Internet zugänglich zu machen. Die mitwirkenden Quellen sollen 30.000 Bibliotheken, Museen und Archive sein, die ihre Kulturgüter digitalisiert beisteuern sollen. Deutschland und auch andere europäische Nationen, in denen ähnliche Projekte laufen, stehen also nicht zurück gegenüber Amerika. Die DDB soll dann auch Bestandteil eines Gesamteuropäischen Projektes, “Europeana“,  werden.

Wenn hierbei von einem “Quantensprung” in der Welt der digitalen Information die Rede ist, so dürfte dies nicht untertrieben sein. Neben den vielen positiven Aspekten, ja paradiesischen Zukunftshoffnungen, die damit geweckt werden, dürfen aber auch die erdbebenhaften Erschütterungen, die diese Entwicklung für uns Antiquare zur Folge haben wird, nicht verdrängt werden. Die bisherigen, jahrzehntelangen Geschäftsmodelle der Antiquariate geraten ins Wanken. Die nach alten, originalen Büchern nachfragende Kundschaft wird auf eine kleine Nischenmenge zurückgehen, die für sich alleine den meisten Antiquariaten kein Überleben sichern kann.

Einzige richtige Vorgehensweise angesichts dieser rasanten und totalen Veränderung unserer Antiquariatslandschaft: keinesfalls wie das Kaninchen vor der Schlange untätig und gelähmt vor einer scheinbaren Horrorzukunftsvision verharren, sondern die positiven Seiten dieser Entwicklung sehen, ja sich begeistern lassen von zusätzlichen Möglichkeiten, die die Öffnung der Bibliothekenschätze innoviert.
Die ersten, kleinen beispielhaften Projekte, die im Rahmen meines neuen ANGELIBRI - Faksimile- Reprint Services (in Zusammenarbeit mit KIRTASBOOKS), derzeit  laufen, zeigen deutlich, dass die Antiquariatskunden den neuen Möglichkeiten sehr aufgeschlossen gegenüberstehen und gerne auf ein Faksimile-Reprint zu günstigen Preisen zurückgreifen.

Mut für die Zukunft unseres Gewerbes macht aber dabei auch, dass ein digitalisiertes Format zusätzlich gewünscht wird, und die Suche nach dem Original nicht ersetzt, sondern ergänzt und uns damit zusätzliche Geschäftschancen eröffnet!

Ich werde über weitere Entwicklungen und meine Erfahrungen berichten.

Ali

Neue D21-Liste

30. Januar 2010

Auf der Blog-Seite finden Sie eine aktuelle, neue  “D21″-Liste der raren und gesuchten AMAZON-Titel. Werte in Klammern entsprechen den maximalen Preisen, die die “wartenden Käufer” bereit sind, zu bezahlen.

Rudolf Angeli
ANGELIBRI

Antiquar und Internet - Neuer Service bei ANGELIBRI

27. Januar 2010

Vor kurzem stieß ich auf die Web-Seite von KIRTASBOOKS. Dort werden digitalisierte Bücher angeboten, aber nicht die viel diskutierten e-books für die modernen Lesebuch-Ersatzgeräte wie Kindle etc, sondern ausschließlich antiquarische, rare Bücher. Auf den ersten Blick und bei der andauernden Diskussion um Googles Projekt der Komplettdigitalisierung aller Bücher dieser Welt eigentlich auch nichts aufregend Neues. Aber …

Plötzlich tritt auf diesem Sektor eine neue Company auf, die im Grunde gleiches oder ähnliches macht wie Google. Es traut sich jemand auf ein Geschäftsfeld, das bisher monopolistisch von Google beackert wurde. Und welch ein Auftritt! Diese Digitalisierung ist in ein sehr attraktives Geschäftsmodell eingebettet, das allen Beteiligten Spaß und Erfolg einbringen wird:

- Man kann dort rare, antiquarische Bücher zur Digitalisierung in Auftrag geben!   Und erhält für ein Spottgeld (ab $1,95) eine digitale Datei des Buches.
- Da man nicht immer und alles nur am kleinen Notebook Bildschirm lesen will, bietet KIRTASBOOKS gleich mit an, aus der digi-Datei wieder ein schönes, frisches, blätterfähiges, badewannenlesefähiges Exemplar zu drucken. Für den kleinen Geldbeutel als Broschur (10 - 20 Dollar) und für die Anspruchsvolleren mit harten Deckeln (ca. 30  Dollar)!

So weit ist Google noch nicht; dort wurde zwar jede Menge gescannt, aber ein neuer Druck, wieder zurück zu den Buchstaben auf Papier, ist bei Google noch in der Planungsphase und auf der todo-Liste.

Unbedingt wollte ich diese Angebote mal testen, denn jeder deutsche Traditions-Antiquar fragt sich ja erstmal “Was soll’s?  Wozu? Wer braucht’s?” Oder hält es überhaupt jenseits aller Antiquariatswürde sich mit Fakes äh.. Faksimiles abzugeben.
Nach einigen Überlegungen und auch konkreten Tests kann ich nur sagen, die Digitalisierung nimmt zunehmend an Beschleunigung auf und keineswegs zum Schaden der Antiquare, wenn sie nur bereit sind, den Wandel mitzugehen und alte Paradigmen gegen neu aufkommende einzutauschen.

Zu den Testbeispielen direkt aus meiner Praxis:
Beispiel 1: seit einigen Monaten suche ich für eine Kundin in England ein bestimmtes deutsches Buch von 1907; es handelt sich um ein juristisches Grundlagenbuch, das sehr selten auf dem Markt ist und derzeit gar nicht zu finden. Die Suchmaschine bei KIRTASBOOKS warf mir das gesuchte Buch sekundenschnell als bestellbar aus. Es steht also in einer oder mehreren der mit KIRTASBOOKS liierten Bibliotheken und kann digitalisiert werden. Die Rückfrage bei meiner Kundin bescherte mir zwar die Antwort, dass sie eigentlich lieber das gesuchte Original haben möchte, aber da die Suche ja, wofür sie Verständnis hat, noch ‘ne Weile dauern kann, orderte sie additiv zwei gebundene Digi-Ausgaben. Gesagt, getan.

Beispiel 2: für eine schwedische Kundin suche ich seit mehr als zwei Jahren ein English-Herero dictionary von Kolbe aus dem Jahre 1893, Südafrika. Leider wurde ich zunächst über die Suchmaschine bei KIRTASBOOKS nicht fündig. Nicht im Angebotsbestand ihrer Datenbank. Ich ließ mich aber nicht entmutigen. Über Worldcat stellte ich fest, dass die New York Public Library wohl ein Exemplar auf ihren Regalen stehen hat. Und diese NYPL war gerade jüngst ein enger Partner von KIRTASBOOKS geworden und steuert sehr viele Original-Quellen zum Digitalisieren bei. Erfreut nach diesen gute Laune machenden Erkenntnissen nahm ich Kontakt mit KIRTASBOOKS auf und bat freundlich um Unterstützung und Prüfung auf Digitalisierbarkeit des Herero dictionary. Binnen 48 Stunden erhielt ich die Nachricht, dass das Buch bei NYPL zum Digitalisieren beauftragt wurde…

Es bedarf nur wenig Phantasie, zu verspüren wo die Reise hingeht, und sich auszumalen, wie sich unsere Bücherwelt verändern wird. Und zwar für Lesende, Antiquariate und Bibliotheken. Die Nachfrage nach neuen, preiswerten Faksimile-Drucken alter, rarer, vergriffener Bücher wird bald zu steigen beginnen. Insbesondere bei Fach- und Sachbüchern aller Kategorien, bei denen sich die Leserschaft eher für den Inhalt des Werkes interessiert und erst in zweiter Linie für die “Schönheit des Buches” an sich, dürften solche neuen zusätzlichen Angebote auf fruchtbaren Boden fallen. Auch könnte ich mir gut vorstellen, dass die vielzähligen Bibliotheken selbst sich über diesen Weg fehlende Titel besorgen, um sie für ihr lokales Lesepublikum parat zu halten; ja selbst für vorhandene Originalbestände wäre ein additives (digital nachgedrucktes) Exemplar für die Fernausleihe und den Lesesaal eine positive Ergänzung.  Originale werden geschont und müssen nicht so  häufig kostenträchtig restauriert werden.

Welch eine wunderbare Welt tut sich da auf! Und sie ist real! In kürzester Zeit werden diese innovativen Handlungsmöglichkeiten bisher als unerfüllbar geltende Wünsche Wirklichkeit werden lassen.  Die Vision von B. Gates “Information on your fingertips” findet hier Fortsetzung und Ausweitung: denn die Information, die als schwer erreichbar in einer entfernten Bibliothek “gefangen” war,  gelangt über eine kurzfristige Digitalisierung wieder “materialisiert” zu mir nach Hause ! Die Bibliotheken öffnen ihre Tore und lassen ihre tausendfachen Schätze nicht nur anfassen, sondern ermöglichen uns auch Kopien für zuhause. Die neuzeitlichen alexandrinischen Schätze lassen sich heben!

Sorry, wenn ich etwas ins Schwelgen geraten bin, aber ich habe nie das Staunen, Wundern und Bewundern vergessen bzw. verlernt. Und bei den heute möglichen Prozessen, kann man wirklich nur Staunen über die sich darbietenden und nutzbaren Entwicklungen:

Da sitze ich in meiner guten Stube, draußen lässt der überraschend kalte Winter nach mehr als 10 Jahren die Alster begehbar zufrieren, ich möchte also jegliche unnötige Schritte nach draussen vermeiden, und grüble wie und woher ich ein bestimmtes Buch besorgen kann. Meine bisherigen, etwas länger währenden  Markt- und Feldversuche verliefen alle ergebnislos. Doch über meine Connect-to-the-world-machine stelle ich minutenschnell fest, dass das Gesuchte irgendwo in der New Yorker Public Library im Regal oder in einer Archivkiste sich befindet. Über diesen Fund informiere ich einen “Buchmenschen (Vorname Todd)” in Pennsylvania. Todd setzt sich mit der NYPL in Verbindung klärt  die gewünschten Möglichkeiten ab und ordert eine Digitalisierung. In New York wird ein Angestellter der library in Bewegung gesetzt, er holt das Buch aus dem Regal und legt es auf die schnelle Scan-Maschine und schickt die Datei anschließend nach Pennsylvania. Dort wird das Buch kostengünstig als Einzelexemplar gedruckt und der alten snailpost gegeben. … Und 4 Wochen nach dem kalten Wintertag klingelt der Postbote und reicht mir ein kleines Päckchen aus USA.

Wen da nicht ein freudiger Staunensschauer überfällt, dem ist nicht zu helfen.

Einigen Antiquariatskollegen, die sich jetzt vielleicht aus anderen Gründen schaudernd wegdrehen wollen, möchte ich nur zurufen “so wird, nein so ist die neue Gutenberg-Welt. Und sie ist schön so, denn sie zerstört nicht die alte, sondern ergänzt sie und bereichert sie; wir müssen uns nur auf sie einlassen.

ANGELIBRI hat zwischenzeitlich seinen Service erweitert und ist affiliate partner von KIRTASBOOKS

ALI

Für Neugierige, hier geht’s zu KIRTASBOOKS:

Für die, mehr wissen wollen, oder gar was in Auftrag geben: alles auf der Blog-Extra-Seite

Gutenberg und (k)ein Ende?

02. Dezember 2009

In diversen Postings -hier und an anderer Stelle- habe ich bereits meinem vagen Gefühl Ausdruck verliehen, dass wir in einer unglaublichen Zeitenwende leben, was aber viele, ja die meisten nicht wahrhaben wollen: das gedruckte Buch, so wie wir es kennen und schätzen, geht seinem (raschen) Ende entgegen; der jahrhundertlange Gutenbergzyklus wird abgelöst. Noch zögere ich, ob nicht doch ein Fragezeichen diese Aussage beenden sollte, noch frage ich mich, ob man dies so klar und unmißverständlich schreiben kann ohne Gefahr zu laufen, für einen nicht ernst zu nehmenden Spinner und Phantasten zu gelten.
Doch die Zeichen, Hinweise, täglichen Neuigkeiten über die Veränderungen in der Welt, die immens wachsenden Diskussionen mit zunehmender Ernsthaftigkeit, ja Besorgnis innerhalb der unterschiedlichsten Gruppen über dieses zentrale Thema bilden ein Fixierbad, das ein nicht mehr zu leugnendes neues Bild von der Zukunft/ Ende des Buches schimmernd erscheinen lässt.
Sicher, ich werde ohne Zweifel auch in zehn Jahren noch meine kleine Bibliothek besitzen, werde auch noch Bücher kaufen können und dies auch tun; aber das Buch wird dann in allen seinen Ausprägungen (Nachschlagewerk, Lern- und Lehrmittel, Unterhaltungsmedium, Wissenschaftsdokumentation, etc) eine absolute Nebenrolle spielen. Auf allen Ebenen wird es zum absoluten  Nischenprodukt mutieren für einzelne wenige Nutzer und Liebhaber.
Diejenigen, die dann noch Bücher in ihren Häusern haben, bewahren diese in den Regalen wie einige heute noch Schallplatten aus den 60er oder 70er Jahren besitzen (wobei eigenartigerweise ein aktueller Modetrend der vergessenen LP wieder Auftrieb verleiht).

Nach den ersten Entgegnungen wie: “Blödsinn! Quatsch! Es wird immer Bücher geben! Die Branche wächst! Jedes jahr kommen mehr als eine Million Bücher hinzu! Usw”
sollte man sich besser schlicht der Frage stellen und ihre Folgen durchdenken, auch wenn es einem nicht schmeckt, man es ärgerlich, bedrohlich oder sonstwas findet. Das Kulturgut Buch hat seine Kleidung verloren wie der Kaiser bei Andersen. Es wird auch meist nicht mehr wertgeschätzt wie in den Jahrzehnten, Jahrhunderten der Vergangenheit.
Welche Folgen hätte diese meine ungeheure Aussage/Behauptung, wenn sie denn in dieser radikalen Form oder mit nuancierten Färbungen Wirklichkeit wird? Folgen für den Buchhandel, die Antiquariate, die Sammler,… die Leser, ja (ohne Pathos) die Menschheit?

Einige dieser Folgen lassen sich bei sensiblem bewußten Beobachten, Hinhören und Analysieren täglich erkennen. Das Verschwinden der antiquarischen Ladenlokale, das Verschwinden der Sammler, ja das Verschwinden der Leserschaft. Dem stehen gegenüber: der irrwitzig ansteigende Angebotsmarkt übers Internet, der gewaltige Wandel im gesamten Mediengeschehen, die unaufhaltsame Komplettdigitalisierung jeglicher Informationen.
Die Talfahrt der Handelspreise antiquarischen Bücher wird mittlerweile auch von Antiquaren, die in einer Art Illusionswolke leben, nicht mehr geleugnet.

All dies schreibt ein Antiquar, der bibliophil denkt und fühlt, dessen liebster Aufenthalt zwischen den Buchdeckeln ist und für den ein Leben ohne solcherart bedrucktes, wundervoll gebundes Papier nicht vorstellbar ist, da es ihm Sinn und Nahrung zugleich schenkt.
Dass ich mit derartigen, keinesfalls defätistischen Gedankengängen kein “Einzeltäter” bin, der sich solchen Fragen stellt und mögliche Zukunftsvisionen durchdenkt, bezeugen zwei sehr lesenswerte aktuelle Erscheinungen, die ich unbedingt zur Lektüre und weiteren Vertiefung des Themas empfehlen möchte:
Vor kurzem erwarb ich The Case for Books -Past, Present, and Future” von Robert Darnton, das nach dem “Anschnuppern” sofort den obersten Platz meines SzlB (Stapel zu lesender Bücher) eroberte. Der sicher überaus kompetente R. Darnton behandelt in den Essays dieses Buches exakt die angerissenen Fragestellungen.
Er beginnt sein Buch einleitend: “This is a book about books, an unashamed apology for the printed word, past, present and future. It is also an argument about the place of books in the digital environment that has now become a fundamental fact of life for millions of human beings. Far from deploring electronic modes of communication, I want to explore the possibilities of aligning them with the power that Johannes Gutenberg unvleashed more than five centuries ago. What common ground exists between old books and e-books? What mutual advantage link libraries with the Internet? Those questions may sound empty in the abstract, but they take concrete form in decisions made every day by players in the communication industry - webmasters, computer engineers, financiers, lawyers, publishers, librarians and a great many ordinary readers.” Aus dem Klappentext: “…But is the era of book as we know it -a codex of bound pages- coming to an end? And if it is, should we celebrate its demise and the creation of democratic digital future, or mourn an irreplaceable loss?…”
R. Darnton ist Direktor der Harvard University Library, Universitätsprofessor und gilt als Pionier auf dem Feld der Geschichte des Buches.
Die Lektüre verspricht sehr interessant und spannend zu werden. Zu welchem Schluß wird er letztlich gelangen?
Dies Buch konkurriert sehr mit einem zweiten Buch (das ich ebenfalls sehr empfehlen möchte) um meine Lesegunst:
Ken Aluettas “Googled - The End of the World as We Know It“.  Zentrales Thema: wie Google die Welt rasch und unaufhaltsam verändert.
Ich sehe starke und unmittelbare Zusammenhänge, Abhängigkeiten und Einflüsse zwischen diesen beiden Themen, der dominierenden Entwicklung von Google und dem Verschwinden der Bücher Gutenbergs -als eine der Folgen des weltweiten Wandels. Spannende Lektüren beide, werde also auch parallel lesen, auch wenn das Englisch etwas mühevoller ist. SF, aktuelle Technik, Sozial- und Geschichtsphilosophie in einem.

Das einzige, was mir ironischerweise, aber auch beruhigend auffällt: beide visionären Essays / Abhandlungen finden sich zwischen unseren altvertrauten und -bewährten Buchdeckeln aus Pappe mit Schutzumschlag auf schwarzbedrucktem Papier.

ALI

Antiquariat und Internet (Teil 6, letzte “Zählung”, da eigentlich nichts mehr ohne das Web “läuft”)

30. November 2009

Schöne neue digitale Antiquariatswelt:

Da erreichte mich doch heute eine mail aus Südafrika zu der dort laufenden Antiquariats-Auktion Nr. 70 bei auctionexplorerbooks :

<<Hello,

You may have noticed than our auction 70 ‘lost’
many of the items for sale on Saturday and Sunday.

We have now discovered that the site was hacked by
sophisticated hackers in Vietnam (traced by their IP addresses)
using a special tool to breach our security codes etc.

The breach has now been patched and extra security
added.

The auction has been restored to where it was interrupted
on Saturday night.

Please check your bids (via My Bids at the top of the page)
and the items you are ‘watching’.

You may need to re-enter some bids.

We will now continue the auction as normal and it will end at
the usual time of 16.30 gmt (18.30 SA time) on Thursday
evening.

Please let me know if you notice anything usual.

africana@clarkes.co.za

(+27) 021 794 0600

We very much regret this incident and thank you for
your understanding a patience.

Regards

Paul>>

Hoops, nun werden also auch Buchauktionen von Hackern als lohnenswerte Ziele ausgespäht und angegriffen. Bisher fühlten wir uns mit unseren “alten Büchern” doch relativ sicher, da vermeintlich uninteressant für solche Zeitgenossen. Dies lässt vermuten, dass die Zeit nicht fern ist, wo größere Buchplattformen oder auch Einzel-Antiquariats-Shops ins Zielradar der bösen Mächte geraten. Die SPAM-Mafia hat uns eh schon im Blickfeld, ihre Schrotschüsse treffen unsere Mailsysteme, Blogs etc.

Also, noch mehr auf der Hut sein und neue Feuerwände einziehen!

Angelibri

Antiquariat und Internet (Teil 5) - Neue D21-Liste

24. November 2009

Nach längerer, technisch bedingter (AMAZON stellte die Daten nicht bereit) Pause wieder eine aktuelle Liste D21.
Auf der Blog-Seite finden Sie eine aktuelle, neue  “D21″-Liste der raren und gesuchten AMAZON-Titel. Werte in Klammern entsprechen den maximalen Preisen, die die “wartenden Käufer” bereit sind, zu bezahlen.

Für mich war bemerkenswert, dass sich die “Wunschpreise” i.a.  deutlich nach unten zu bewegen scheinen!

Rudolf Angeli
ANGELIBRI

D 21 Liste - Kurzinformation

06. November 2009

Eine aktuelle D 21 -Liste (Top-Gesuche bei AMAZON) lässt leider noch auf sich warten. Grund: Durch eine Umprogrammierung bei Amazon hat sich leider ein Fehler für die Anwender ergeben. Es gibt zwar nach wie vor eine Download-Seite für eine “Buyer#s waiting list” auch auf der .de site, aber leider funktioniert der download nicht. Seit Wochen korrespondiere ich mit dem Amazon-Service wegen Abhilfe. Bisher leider vergeblich. ich bleibe weiter am Ball.

Als kleiner Ersatz: ein paar Hinweise auf brauchbare, gute links für Antiquare, Sammler und alle Bibliophile:

Fine Books & Collections hat sich von seinem print-Dasein verabschiedet und bietet als Online-Blog-Magazin reichhaltige Informationen und Unterhaltung.

Oder man informiert sich auf der großartigen Seite von Bloomsbury über die neuesten Auktionsergebnisse.

Interessantes Web-Tool “ZMAGS”

06. November 2009

Attraktives Web-Tool endeckt: ZMAGS.

Könnte sich gut zur Katalogerstellung, Präsentation, Buchshop etc. eignen. Mit tollen Features und Zusatzapplikationen. Ich konnte leider auf die Schnelle keinen Preis ausfindig machen. Vielleicht haben die Leser mehr Glück.

An dem Beispiel sieht man aber deutlich, wohin die Entwicklung geht. Online-Magazine können kinderleicht selbst erstellt werden, das Lesen selbst erhält durch Links und andere Verknüpfungen eine andere Ebene, die medialen Grenzen verschwinden. Man male sich nur mal einen Buchkatalog und seine Präsentation in dieser Form aus, und man bekommt eine Ahnung von der nahen Zukunft, auch die der Antiquariate. Möchte gerne mal einen Test machen.

Übrigens ZMags twittert auch.

Neue Formen des Lesens: VOOKS

13. Oktober 2009

Aus alter Verbundenheit zur süddeutschen Heimat lese ich, sozusagen als zweite Tageszeitung, regelmäßig auch die Süddeutsche Zeitung. Besonders gerne auch die Montagsausgabe, da sie eine Beilage mit Artikeln der New York Times bietet. Zum einen sorgt diese Beilage dafür, dass meine englischen Sprachkenntnisse nicht verloren gehen, zum anderen sind viele der ausgesuchten Artikel sehr lesenswert und spiegeln die Entwicklungen in den USA nach Europa.
In der gestrigen Ausgabe, passend zu  dem Beginn der Frankfurter Buchmesse, war über die Neudefinition des Lesens mit “Hybrid Büchern” zu lesen.  

Das Buch, das seit 500 Jahren keine wirklich grundlegende Veränderung in Rezeptur, Herstellung, Aufmachung und Nutzung erfahren hat, erlebt gerade in unseren Tagen doch einen riesigen “Evolutionsschub”. Und wie in der Evolution in der Natur erfolgen Veränderungen weder streng linear, noch oberflächlich rational und transparent verständlich.
Es gibt hin und wieder evolutionäre Sprünge, viele unterschiedliche, mögliche Entwicklungszweige werden probiert, weiterverfolgt oder kurz darauf wieder eingestellt. Die Entwicklung selbst erfolgt nie abgeschottet aus sich allein heraus, sondern im ständigen Abgleich mit der Umgebung, die damit ebenfalls die Entwicklungsrichtungen und deren Tempo beeinflusst.

Lange Zeit habe ich mich auch gegen die Vision vom Sterben des Buches, wie wir es kennen und lieben, gewehrt. Wollte diese Entwicklungen nicht wahrhaben und saugte gierig die gegenteiligen Erläuterungen der Experten (Verleger, Buchhändler, Antiquare, Autoren und auch Leser) und Freunde und Bekannten auf, die darauf hinausliefen, dass das Buch Bestand haben wird, weil es in seiner materiellen Form vollendet sei und durch nichts zu ersetzen. Doch zunehmend spüre und ahne ich, dass wir uns selbst täuschen, uns was vormachen, es einfach nicht wahrhaben wollen und daher wegschauen. Es fehlt uns der klare Blick und die innerliche Akzeptanz, dass die immer schneller sich vollziehenden  und auch komplexer werdenden Veränderungen in der Welt nicht Halt machen vor bestimmten Lebensbereichen oder einen aussparenden Bogen um das Buch und die Art des Lesens  ziehen.
Nichts vollzieht sich ohne begleitende Zeichen, man muss sie nur mit allen Sinnen zur Kenntnis nehmen. Man sollte sich nicht täuschen lassen durch die vieltausendfachen jährlichen Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt, auch das Gutenbergzeitalter hat keinen Anspruch auf ewiges Leben. Unaufhaltsame Digitalisierung und vielfältige neue Techniken des Informationszeitalters gehen mit dieser sich anbahnenden Zeitenwende einher. Im Gleichschritt dazu wandelt sich der sehr flexible Mensch: zunehmende allgemeine Leseunlust  paart sich mit der neuen Art, Informationen zu suchen und aufzunehmen, sich zu bilden und Spiel, Spaß und Spannung zu genießen.

Wobei aber derartige Veränderungen, auch sehr große, nie abrupt erfolgen, so dass das Bisherige eines Tages völlig tot oder verschwunden ist. Das Neue kommt auf leisen Sohlen in die Welt, schleicht sich sozusagen ein, dringt in die laufende “Strömung” ein, vermischt, vermengt sich und bildet damit wieder etwas Neuartiges. 

Nun also “Hybrid Bücher”: In unsere geliebten, deckelgesicherten Buchblöcke dringen die modernen, lauten Medien ein. Eingesprengselt werden Videoclips, die erläuternd oder filmisch aufbereitet, uns einzelne Buchszenen, -teile  visuell näher bringen. Sie haben bereits auch einen neuen Namen: VOOKS!

Wahrscheinlich ist die Zeit nicht fern, wo “Lese”-Bücher und “Hör”-Bücher vereinigt werden, und wir mit einem “Stück Buch” die Wahl haben, ob wir ein Kapitel lesen oder lieber hören wollen. Der nächste Schritt wäre dann noch zusätzlich die Einspiegelung von Video-Clips, die uns bestimmte Szenen, Buchabschnitte von Schauspielern professionell offerieren oder wo wir den Autor selbst sein Werk lesen oder erläutern lassen können. Überwiegend ist der Mensch visuell ausgerichtet. Die Erfolge von Youtube und Flickr zeugen davon. Er ist ein Bildergucker; das geht auch schneller ins Gehirn und es bleibt in der Regel mehr dort haften.
(Die Antiquare sollten vermehrt Kunst- und Fotobücher in ihre Angebote aufnehmen. :-)

Manche werden sich wundern, warum gerade ich als Antiquar diese Zeilen schreibe.
…Ja, vielleicht gerade deshalb. …und auch im Bewusstsein, dass man zu einer Gattung gehört, die sich irgendwie zu etwas Exotischem entwickelt, sollte man sich nicht den Blick verstellen lassen vor der spannenden, vielfältigen Wandlungsmöglichkeit unserer Welt. 
Exotisch deshalb: Wo sind die echten Briefschreiber heute? Bald werden die wenigen auch ausgestorben sein. Auch das Briefmarkensammeln ist doch etwas aus der Mode gekommen. 
Vielleicht heißt es mal “Wo sind noch echte Bücherleser?” oder gar: … Sammler von Büchern der “guten (-bergschen) alten Art”?