Archiv für den Monat April 2009

Antiquariat und Internet (Teil 3)

Montag, 27. April 2009

Amazon hat zwischen 8 und 10 Millionen Bücher im Angebot. Bei der Mehrzahl gibt es auch ein überwältigendes Angebot an gebrauchten Büchern. Immer mehr Anbieter gehen ins Netz und versuchen sich als Verkäufer. Die nach unten sich bewegende Preisschraube durch das Anwachsen der Anbieter und Angebote hat zum Teil skurrile Formen angenommen. Mitunter werden die Bücher zum niedrigst erlaubten Preis von 0,01 € verschleudert. Von seriösem Gebraucht-, ja Antiquariatsgebahren kann keine Rede mehr sein. Macht es noch Sinn auf dieser Plattform zu verkaufen und wenn ja was?

… Und dennoch, auch unter den Millionenangeboten gibt es eine Vielzahl von Raritäten und Desiderata.

In einem meiner letzten Beiträge berichtete ich von der Buyer’s Waiting List (Amazon.com) auf Steve Weber’s Site.
Ab sofort startet ANGELIBRI mit einem Service, der ähnliche Informationen für die deutsche AMAZON-Seite listet. Auf der Seite “DL 21 Rare, gesuchte Bücher bei AMAZON.de-aktuelle Titelauswahl”  meines Blogs sind 21 Titel ausgewählt und gelistet, die bei Amazon sehr rar und gesucht sind.  Sie mögen als Anhaltspunkte dienen für den eigenen “Einkaufszettel” bei Antiquariaten oder Flohmärkten oder für eine sich aufbauende Liste nachgefragter, seltener Bücher.
Warum gerade 21? Nun, das ist eine Fibonacci-Zahl, und ich bin ein großer Verehrer von Fibonacci. Doch dazu mehr ein andermal.

Am Ende der Liste findet sich ein EUROBUCH-Such-Widget, um gleich zu recherchieren (auf anderen Plattformen) oder die Preistrendfunktion von Eurobuch zu der jeweiligen ISBN aufzusuchen.

Ich werde die Liste in unregelmäßigem Abstand aktualisieren. Schauen Sie einfach hin und wieder vorbei.

Rudolf Angeli
AngeLibri in Twitterland
Buchsalon-Angelibri 

Antiquariat und Internet (Teil 2)

Dienstag, 21. April 2009

Prognosen sind allemal schwierig, insbesondere wenn es sich um die Zukunft handelt (Mark Twain).

In Teil 1 meiner Beitragsreihe hatte ich bereits auf den hohen Nutzen der Suchmaschinen auch für den Gebrauchtbuchhandel hingewiesen. Der Economist verleiht in einem aktuellen Artikel, “Googling the future”  den Suchmaschinen (hier insbesondere Google) geradezu “hellseherische Fähigkeiten“, die weit bessere und schnellere Aussagen zu Zukunftstrends erlauben als es herkömmliche, ökonomische Trendmodelle vermögen. Mit dem Heben und Nutzen der gespeicherten Suchmaschinenschätze beginnt eine Ära zusätzlicher und qualitativ verbesserter Planungsmöglichkeiten für jegliches Handelsgeschäft.
Dies gilt auch für die Branche des antiquarischen Buchhandels, bei dem naturgemäß die Buch-Spezialsuchmaschinen zielgerichtete und gefilterte Auswertungsergebnisse bringen können, sofern die permanenten, viel tausendfachen Suchanfragen  gespeichert bleiben.

Hinweis: Die Metasuchmaschine EUROBUCH.COM veröffentlicht seit kurzem (u. a. angeregt durch ANGELIBRI) monatliche TOP-100-Listen. Diese zeigen ein Ranking der über ihre Suchmaschine angefragten und gefundenen Buchtitel. Auch der Blick zurück auf die Rankinglisten vergangener Monate ist möglich. Damit werden Nachfragefavoriten und deren Veränderungen (auch Bücher unterliegen “Mode”-Strömungen) transparent und können bei Ankaufs- und Angebotsstrategie helfen.

Die Gegenwart der Zukunft hat begonnen.

Rudolf Angeli
AngeLibri in Twitterland
Buchsalon-Angelibri 

Antiquar in Twitterland

Montag, 20. April 2009

Hinauf in das Vogelnest

Während meiner Aufenthalte in Xinglandia auf dem neu entdeckten Kontinent Web2.0 wurde ich durch meine “Antiquariatsgeschwister” auf einen weißen Vogel aufmerksam, dem ich schließlich neugierig in sein Nest folgte. Es ist erst wenige Wochen her und ich frage mich, wie ich da je wieder herauskomme, so traumartig und bizarr ist diese Welt hinter meinem Screen, eine Art Mischung außerkörperlicher Erlebniswelt und quantenmechanischer Seelenverschränkung.
Fühle mich zuweilen wie James Steward im Fenster zum Hof, der hineinblicken kann in die oft weitgeöffneten laden- und vorhanglosen Fenster der anderen, teilhat an den alltäglichen Verrichtungen, ihren Ansichten und Lebensweisen, der ihren Tagesrhythmus erfährt, aber auch ihre kleinen Sorgen, Nöte oder Missgeschicke und sie begleitet auf weiten Reisen oder auch nur beim Gang zur Post.
In diesen ersten Wochen beschränke ich mich meist auf Schauen, Lesen, Lernen, Staunen. Es gibt so viele “Fenster”, in die man spähen kann! Neben den bereits Bekannten, Freunden und Verwandten bieten sich unzählbar Fremde und auch Prominente zum “Folgen” an. Die Auswahl über die Suche oder den knappen Schaufenster-Profilen fällt oft schwer, so lass ich mich beim Vorstoß auf unbekanntes neues Terrain oft durch den Zufall leiten fast wie 
The Dice Man”  in Luke Rhineharts kultigem Roman.
Neugierig folge ich David Lynch, dem Regisseur eigenartig surrealer Filme, auf seinen Reisestationen über Moskau, Kiew, München und Paris; stelle freudig fest, dass auch John Cleese (s. Monty Python und “Ein Fisch namens Wanda”) still alive  ist und nehme ihn auf meine Follower-me-Liste.
Wer will, kann auch den publikumsträchtigen tweets  des neuen amerikanischen Präsidenten Obama folgen, muss sich jedoch hüten vor fakes und falschen Atavaren.
Twitterland ist seltsam grenzen- und zeitlos; es ist auch das Land, wo die toten Dichter wieder zum Leben erwachen und 140-zeichen-begrenzt mitzwitschern. Man folgt den tweets von Poe und Lovecraft oder Kafka in Prag.
Die Gleichzeitigkeit und Raumlosigkeit in Twitterland verschaffen den Gerüchten, Wort- und Bildnachrichten den eindeutigen Sieg über andere Medienkanäle. Diese Gleichzeitigkeit des ErLebens ist es auch, die mich an Stanislaw Lems beeindruckende Buchrezension des nicht existierenden Bibliotheksbandes “Eine Minute der Menschheit” der fiktiven Autoren J. Johnson  und S. Johnson erinnert; auch Philipp K. Dick hat in einigen Stories ähnliche  Parallelerlebniswelten bereits vor Jahrzehnten vorempfunden und sie zum Thema seiner phantastischen Erzählungen gemacht. Über beide Autoren wird noch zu berichten sein.  
Science Fiction und Phantastik haben mich seit meiner Jugend gefesselt und bestimmten einen Großteil meines Literaturkonsums; in den letzten Jahren ließ dies nach. Der Grund wird immer klarer: absolut nichts ist phantastischer als die Wirklichkeit! Man sperre Augen und Ohren weit auf, und der Hunger nach dem Sonderbaren, Exzeptionellem, Fesselndem, Phantastischem wird rasch und doch nie vollends gestillt werden.
Die neue Beziehungsform in Twitterland ist nicht unumstritten. Wie jeder neue Hype unserer modernen Welt spaltet dieser Kommunikationskanal weltweit die Gesellschaft. Der Großteil nimmt ihn gar nicht zur Kenntnis, ein anderer großer Teil ist von exorbitanter Skepsis beseelt. Natürlich sind auch Wissenschaftsvertreter nicht fern, die klare Gesundheitsbedrohungen erkennen. Der Informationsoverkill, diese permanente Kakophonie  an menschlichen Geistesblitzen und –furzen (gottseidank nur 140 Zeichen lang) sei schädlich, ja unerträglich fürs Gehirn. TILT!
Dass aber ausgerechnet die Büchermenschen, die Antiquare sich vermehrt im Web2.0 bei Xing, Facebook, ihren eigenen Blogs und auch in Twitterland tummeln (s.- Boersenblatt-Beitrag), ist doch erwähnens- und bestaunenswert; zwar wird Sinn und Zweck und Ziel eifrigst diskutiert und hinterfragt, betrachtet man ihre Homepages und Blogs, so wird bei den meisten klar, sie meinen‘s ernst, sie wollen und werden die virtuelle Welt erobern. Die vielfach erkennbare Professionalität und gestalterische Liebe ist beispielgebend. Und nun erobern sie auch Twitterland. ….Poesie zieht ein und mischt sich mit Banalem.
Und ich? Wie ist mein Verhältnis zum neuen, unbekanntem Land? Nun, ich freue mich morgens, wenn der Tag erwacht ist und die Vögel in unserem Garten ihre Lieder angestimmt haben, dass auch Twitterland erwacht und aus allen Teilen Deutschlands, Schweiz und Österreichs ein fröhliches Guten Morgen erklingt, denn irgendwie sind mir einige Twittervögel auf eine ganz seltsame Art vertraut geworden und ich möchte sie nicht missen.
Warum mir allerdings der 1996 verstorbene
Timothy Leary seit gestern folgt, gibt mir Rätsel auf.

Rudolf Angeli
AngeLibri in Twitterland
Buchsalon-Angelibri 

 

Jetzt lauschen sie vom Zauberland
    Der wunderbaren Mähr’;
    Mit Thier und Vogel sind sie bald   
    In freundlichem Verkehr,
    Und fühlen sich so heimisch dort,
    Als ob es Wahrheit wär’. –

(Alice’s Adventure in Wonderland, Lewis Carroll)

Antiquariat und Internet (Teil 1)

Mittwoch, 08. April 2009

Ein echter Diskussions-Dauerbrenner in der Branche. Große Chancen oder Teufelszeug? Wie sieht die Zukunft des Antiquariatsgeschäfts aus? Hat das gute Buch, das alte Buch überhaupt Zukunft? Gibt es denn noch richtige Leser, Sammler und Bibliophile alten Schlages, die die Kultur und ihre wahren Güter hochhalten? Kann ein Antiquar ökonomisch überleben? Sterben seine bisherigen Zielgruppen aus ohne dass neue nachwachsen bzw. ausfindig gemacht werden können? Die Reihe der Fragen ist schier endlos. Wie wirken sich E-Commerce, Ebook, Blogs, Twitter und überhaupt die wachsende virtuelle Netzwelt aus? Über die richtigen Antworten und Prognosen wird heftig debattiert und schwadroniert,  die Wogen gehen tsunamiartig hoch.
Ich möchte an dieser Stelle nicht weiteres Öl auf dieselben gießen, sondern in lockerer, sporadischer Beitragsfolge Teilthemen beleuchten und Hinweise, Tipps, Anregungen geben, wie der “neumodische Kram” im wahrsten Sinn des Wortes behandelt werden kann. Die neue Welt hält vieles bereit und täglich kommt wunderbares dazu.
Man braucht nur ein paar Eigenschaften, um sich diese Welt zu erschließen:
Veränderungsbereitschaft, Aufgeschlossenheit und unstillbare Neugierde.
Hinweis:
 AMAZON: Von vielen geschmäht… und doch der größte virtuelle Marktplatz für Bücher, auch für gebrauchte/ antiquarische. Seitdem die großen Internet-”Kontinente” (AMAZON, GOOGLE und Co) ihre Millionen gespeicherten Bits and Bytes viel freizügiger zur Verfügung stellen, können neben den eigentlichen umfangreichen Basisdaten (Buchtitel und was sich alles darum rankt -Beschreibungen, Rezensionen, Listen, etc-  auch “versteckte” Informationen sichtbar gemacht werden.
Auf der site von Steve Weber findet sich eine sogenannte buyer’s waiting list für AMAZON.com, absteigend sortiert nach “Preisen” (Wertangabe des suchenden, willigen Käufers, bis zu welchem er bereit ist, den Kauf zu tätigen). Wem die Seitenspringerei zu mühsam ist: hier die komplette Liste auch für die eigene Harddisk.
Leider gibt es vergleichbares für die deutsche AMAZON-Seite noch nicht.
Eine weitere hilfreiche Informationsquelle bei AMAZON ist die sogenannte Ranking-Zahl (Verkaufsrang) des Buchtitels. Dieses Ranking erfolgt nach verkauften Stückzahlen und wird bei den ersten 10.000 stündlich aktualisiert. Ranking number 1: absoluter TOP-Seller; > 1 Mio meist “ziemlicher Ladenhüter”. Anhand dieser Sales Rank Ziffer können Amazon-Verkäufer abschätzen, wie lange sie auf den Verkauf eines gelisteten Titels warten müssen. Weitergehende Details können hier nachgelesen werden.

Hinweis: EUROBUCH: Suchmaschinen sind auch für das Antiquariatsgeschäft ein unentbehrliches Hilfsmittel geworden. Mit permanent wachsenden zusätzlichen Dienstleistungen buhlen die Suchmaschinenbetreiber um die Gunst ihrer Nutzer. Die Meta-Suchmaschine EUROBUCH.COM, die ich als sehr empfehlenswert empfinde, ist sehr fortschrittlich im Ausbau ihres ergänzenden contents. EUROBUCH deckt eine Vielzahl an Bücherportalen und Plattformen ab, einzig -bedauerliche- Ausnahme ZVAB.
Etwas versteckt unter der Seite “Bücher” findet sich eine SUB-Suchmaschine, die sogenannte Preistendenz Buchdatenbank, die nach Eingabe einer ISBN die von der Suchmaschine gespeicherten Suchen der Vergangenheit auswertet und statistische Ergebnisse, zum Teil in graphischer Form liefert. Die gefundenen Vergangenheits-Preisangebote und die sich entwickelnde Preistendenz sind meines Erachtens eine sehr hilfreiche Information bei eigenen Preisüberlegungen und -kalkulationen.
Direkt im Anschluss an die statistische Auswertung kann eine aktuelle Buchsuche dieser ISBN erfolgen.
An diesem Beispiel ist auch ersichtlich welche Informations- “Schätze” die Suchmaschinenbetreiber auf ihren Datenbanken ansammeln. Man muss sie nur intelligent und (Kunden-) zielgerecht heben.

-Wird fortgesetzt-

Rudolf Angeli
Buchsalon