Mit ‘Antiquar’ getaggte Artikel

Digitalisierung unserer Bibliotheken - Babylonische Wiedererrichtung Alexandrias

Samstag, 13. Februar 2010

Seitdem ich mich näher mit diesem aufkommenden Thema beschäftige und aufmerksam auch die Gazetten nach entsprechenden Artikeln durchsehe bzw. sensibilisiert im Web nach diesem Trend suche, fühle ich mich in meiner Einschätzung stark bestätigt. Im Spiegel der vergangenen Woche erschien ein umfangreicher Artikel über ein beachtenswertes Vorhaben der “Deutschen Digitalen Bibliothek” (siehe auch Spiegel-Archiv), das von der Bundesregierung im Dezember 2009  -auch als Gegenpol zu Google-Books- beschlossen wurde:
Ziel ist es, neben Millionen an Büchern auch Filme, Bilder und Tonaufnahmen im Internet zugänglich zu machen. Die mitwirkenden Quellen sollen 30.000 Bibliotheken, Museen und Archive sein, die ihre Kulturgüter digitalisiert beisteuern sollen. Deutschland und auch andere europäische Nationen, in denen ähnliche Projekte laufen, stehen also nicht zurück gegenüber Amerika. Die DDB soll dann auch Bestandteil eines Gesamteuropäischen Projektes, “Europeana“,  werden.

Wenn hierbei von einem “Quantensprung” in der Welt der digitalen Information die Rede ist, so dürfte dies nicht untertrieben sein. Neben den vielen positiven Aspekten, ja paradiesischen Zukunftshoffnungen, die damit geweckt werden, dürfen aber auch die erdbebenhaften Erschütterungen, die diese Entwicklung für uns Antiquare zur Folge haben wird, nicht verdrängt werden. Die bisherigen, jahrzehntelangen Geschäftsmodelle der Antiquariate geraten ins Wanken. Die nach alten, originalen Büchern nachfragende Kundschaft wird auf eine kleine Nischenmenge zurückgehen, die für sich alleine den meisten Antiquariaten kein Überleben sichern kann.

Einzige richtige Vorgehensweise angesichts dieser rasanten und totalen Veränderung unserer Antiquariatslandschaft: keinesfalls wie das Kaninchen vor der Schlange untätig und gelähmt vor einer scheinbaren Horrorzukunftsvision verharren, sondern die positiven Seiten dieser Entwicklung sehen, ja sich begeistern lassen von zusätzlichen Möglichkeiten, die die Öffnung der Bibliothekenschätze innoviert.
Die ersten, kleinen beispielhaften Projekte, die im Rahmen meines neuen ANGELIBRI - Faksimile- Reprint Services (in Zusammenarbeit mit KIRTASBOOKS), derzeit  laufen, zeigen deutlich, dass die Antiquariatskunden den neuen Möglichkeiten sehr aufgeschlossen gegenüberstehen und gerne auf ein Faksimile-Reprint zu günstigen Preisen zurückgreifen.

Mut für die Zukunft unseres Gewerbes macht aber dabei auch, dass ein digitalisiertes Format zusätzlich gewünscht wird, und die Suche nach dem Original nicht ersetzt, sondern ergänzt und uns damit zusätzliche Geschäftschancen eröffnet!

Ich werde über weitere Entwicklungen und meine Erfahrungen berichten.

Ali

Antiquar und Internet - Neuer Service bei ANGELIBRI

Mittwoch, 27. Januar 2010

Vor kurzem stieß ich auf die Web-Seite von KIRTASBOOKS. Dort werden digitalisierte Bücher angeboten, aber nicht die viel diskutierten e-books für die modernen Lesebuch-Ersatzgeräte wie Kindle etc, sondern ausschließlich antiquarische, rare Bücher. Auf den ersten Blick und bei der andauernden Diskussion um Googles Projekt der Komplettdigitalisierung aller Bücher dieser Welt eigentlich auch nichts aufregend Neues. Aber …

Plötzlich tritt auf diesem Sektor eine neue Company auf, die im Grunde gleiches oder ähnliches macht wie Google. Es traut sich jemand auf ein Geschäftsfeld, das bisher monopolistisch von Google beackert wurde. Und welch ein Auftritt! Diese Digitalisierung ist in ein sehr attraktives Geschäftsmodell eingebettet, das allen Beteiligten Spaß und Erfolg einbringen wird:

- Man kann dort rare, antiquarische Bücher zur Digitalisierung in Auftrag geben!   Und erhält für ein Spottgeld (ab $1,95) eine digitale Datei des Buches.
- Da man nicht immer und alles nur am kleinen Notebook Bildschirm lesen will, bietet KIRTASBOOKS gleich mit an, aus der digi-Datei wieder ein schönes, frisches, blätterfähiges, badewannenlesefähiges Exemplar zu drucken. Für den kleinen Geldbeutel als Broschur (10 - 20 Dollar) und für die Anspruchsvolleren mit harten Deckeln (ca. 30  Dollar)!

So weit ist Google noch nicht; dort wurde zwar jede Menge gescannt, aber ein neuer Druck, wieder zurück zu den Buchstaben auf Papier, ist bei Google noch in der Planungsphase und auf der todo-Liste.

Unbedingt wollte ich diese Angebote mal testen, denn jeder deutsche Traditions-Antiquar fragt sich ja erstmal “Was soll’s?  Wozu? Wer braucht’s?” Oder hält es überhaupt jenseits aller Antiquariatswürde sich mit Fakes äh.. Faksimiles abzugeben.
Nach einigen Überlegungen und auch konkreten Tests kann ich nur sagen, die Digitalisierung nimmt zunehmend an Beschleunigung auf und keineswegs zum Schaden der Antiquare, wenn sie nur bereit sind, den Wandel mitzugehen und alte Paradigmen gegen neu aufkommende einzutauschen.

Zu den Testbeispielen direkt aus meiner Praxis:
Beispiel 1: seit einigen Monaten suche ich für eine Kundin in England ein bestimmtes deutsches Buch von 1907; es handelt sich um ein juristisches Grundlagenbuch, das sehr selten auf dem Markt ist und derzeit gar nicht zu finden. Die Suchmaschine bei KIRTASBOOKS warf mir das gesuchte Buch sekundenschnell als bestellbar aus. Es steht also in einer oder mehreren der mit KIRTASBOOKS liierten Bibliotheken und kann digitalisiert werden. Die Rückfrage bei meiner Kundin bescherte mir zwar die Antwort, dass sie eigentlich lieber das gesuchte Original haben möchte, aber da die Suche ja, wofür sie Verständnis hat, noch ‘ne Weile dauern kann, orderte sie additiv zwei gebundene Digi-Ausgaben. Gesagt, getan.

Beispiel 2: für eine schwedische Kundin suche ich seit mehr als zwei Jahren ein English-Herero dictionary von Kolbe aus dem Jahre 1893, Südafrika. Leider wurde ich zunächst über die Suchmaschine bei KIRTASBOOKS nicht fündig. Nicht im Angebotsbestand ihrer Datenbank. Ich ließ mich aber nicht entmutigen. Über Worldcat stellte ich fest, dass die New York Public Library wohl ein Exemplar auf ihren Regalen stehen hat. Und diese NYPL war gerade jüngst ein enger Partner von KIRTASBOOKS geworden und steuert sehr viele Original-Quellen zum Digitalisieren bei. Erfreut nach diesen gute Laune machenden Erkenntnissen nahm ich Kontakt mit KIRTASBOOKS auf und bat freundlich um Unterstützung und Prüfung auf Digitalisierbarkeit des Herero dictionary. Binnen 48 Stunden erhielt ich die Nachricht, dass das Buch bei NYPL zum Digitalisieren beauftragt wurde…

Es bedarf nur wenig Phantasie, zu verspüren wo die Reise hingeht, und sich auszumalen, wie sich unsere Bücherwelt verändern wird. Und zwar für Lesende, Antiquariate und Bibliotheken. Die Nachfrage nach neuen, preiswerten Faksimile-Drucken alter, rarer, vergriffener Bücher wird bald zu steigen beginnen. Insbesondere bei Fach- und Sachbüchern aller Kategorien, bei denen sich die Leserschaft eher für den Inhalt des Werkes interessiert und erst in zweiter Linie für die “Schönheit des Buches” an sich, dürften solche neuen zusätzlichen Angebote auf fruchtbaren Boden fallen. Auch könnte ich mir gut vorstellen, dass die vielzähligen Bibliotheken selbst sich über diesen Weg fehlende Titel besorgen, um sie für ihr lokales Lesepublikum parat zu halten; ja selbst für vorhandene Originalbestände wäre ein additives (digital nachgedrucktes) Exemplar für die Fernausleihe und den Lesesaal eine positive Ergänzung.  Originale werden geschont und müssen nicht so  häufig kostenträchtig restauriert werden.

Welch eine wunderbare Welt tut sich da auf! Und sie ist real! In kürzester Zeit werden diese innovativen Handlungsmöglichkeiten bisher als unerfüllbar geltende Wünsche Wirklichkeit werden lassen.  Die Vision von B. Gates “Information on your fingertips” findet hier Fortsetzung und Ausweitung: denn die Information, die als schwer erreichbar in einer entfernten Bibliothek “gefangen” war,  gelangt über eine kurzfristige Digitalisierung wieder “materialisiert” zu mir nach Hause ! Die Bibliotheken öffnen ihre Tore und lassen ihre tausendfachen Schätze nicht nur anfassen, sondern ermöglichen uns auch Kopien für zuhause. Die neuzeitlichen alexandrinischen Schätze lassen sich heben!

Sorry, wenn ich etwas ins Schwelgen geraten bin, aber ich habe nie das Staunen, Wundern und Bewundern vergessen bzw. verlernt. Und bei den heute möglichen Prozessen, kann man wirklich nur Staunen über die sich darbietenden und nutzbaren Entwicklungen:

Da sitze ich in meiner guten Stube, draußen lässt der überraschend kalte Winter nach mehr als 10 Jahren die Alster begehbar zufrieren, ich möchte also jegliche unnötige Schritte nach draussen vermeiden, und grüble wie und woher ich ein bestimmtes Buch besorgen kann. Meine bisherigen, etwas länger währenden  Markt- und Feldversuche verliefen alle ergebnislos. Doch über meine Connect-to-the-world-machine stelle ich minutenschnell fest, dass das Gesuchte irgendwo in der New Yorker Public Library im Regal oder in einer Archivkiste sich befindet. Über diesen Fund informiere ich einen “Buchmenschen (Vorname Todd)” in Pennsylvania. Todd setzt sich mit der NYPL in Verbindung klärt  die gewünschten Möglichkeiten ab und ordert eine Digitalisierung. In New York wird ein Angestellter der library in Bewegung gesetzt, er holt das Buch aus dem Regal und legt es auf die schnelle Scan-Maschine und schickt die Datei anschließend nach Pennsylvania. Dort wird das Buch kostengünstig als Einzelexemplar gedruckt und der alten snailpost gegeben. … Und 4 Wochen nach dem kalten Wintertag klingelt der Postbote und reicht mir ein kleines Päckchen aus USA.

Wen da nicht ein freudiger Staunensschauer überfällt, dem ist nicht zu helfen.

Einigen Antiquariatskollegen, die sich jetzt vielleicht aus anderen Gründen schaudernd wegdrehen wollen, möchte ich nur zurufen “so wird, nein so ist die neue Gutenberg-Welt. Und sie ist schön so, denn sie zerstört nicht die alte, sondern ergänzt sie und bereichert sie; wir müssen uns nur auf sie einlassen.

ANGELIBRI hat zwischenzeitlich seinen Service erweitert und ist affiliate partner von KIRTASBOOKS

ALI

Für Neugierige, hier geht’s zu KIRTASBOOKS:

Für die, mehr wissen wollen, oder gar was in Auftrag geben: alles auf der Blog-Extra-Seite

Altes und Neues vom Büchersammeln

Montag, 24. August 2009

(Nach einer kleinen Online-Auszeit, bin ich wieder da, und weiter geht’s)

Ich bin fest davon überzeugt, dass der Prozentsatz der Sammler-Gen-Träger deutlich über 90 Prozent liegt. Die überwiegende Anzahl der Leser dieser Zeilen dürften zu dieser Kategorie gehören. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Sammelei deutlich diversifiziert und spezialisiert. Was wird nicht alles gesammelt!  Blickt man auf die Ebay-Plattform so werden die Hauptkategorie Sammeln in 33 Unterkategorien und weiteren 246 Subkategorien strukturiert. Die Themen reichen von  Ansichtskarten, Fossilien, Sammelbildern bis hin zu Überraschungseiern, usw.
Für die Sammelwütigen sind hierfür nahezu 3 Millionen Einzelstücke im Erwerbsangebot.
Hierbei ist noch gar nicht berücksichtigt, dass die großen Sammelgebiete darin noch nicht enthalten sind, denn sie bilden eigene Top-Kategorien wie Briefmarken, Antiquitäten, Medienartikel (Musik, Bilder und Filme) und natürlich Bücher, neue, moderne Gebrauchtbücher und antiquarische. Man kann fast zu dem Schluss kommen, dass sich der größte Anteil des Ebay-Angebots an die Zielgruppe der Sammler wendet.

Für jeden Buchhändler und Antiquar dürfte die Spezies der Sammler auch die überwiegende Einnahmequelle darstellen. Gleichzeitig gibt es wohl kaum jemanden, der mit Büchern handelt und nicht selbst den Virus in sich trägt und seiner Interessenlage folgend Sammlungen aufbaut und dieser “Droge” unentrinnbar verfallen ist. Diese unbezifferbare Vielfalt wie man das Büchersammeln betreiben kann und dieser unerschöpfliche Quell an “geistiger und seelischer Nahrung” die das Suchen, Finden und Anhäufen und Komplettieren der “Desiderata” darstellt, kann nicht schillernd und lustvoll genug dargestellt werden!

Unter den vielen Motiven und Objekten zeigen sich eine ganze Reihe “stärkerer Äste”: da werden Lieblingsautoren und/oder Lieblings-Genres gesammelt oder nach bestimmten Listen (Preisträger z.B.), manche sammeln bestimmte Literaturen, Verlagsreihen oder ausgewählte schöne Ausgaben, undsoweiter undsofort. Es gibt auch eine gar nicht kleine Gruppierung, die Bücher über Bücher sammelt oder noch spezifischer das Sammeln von Büchern über das Büchersammeln.  An dieser Stelle sei der Hinweis auf das wunderbare, auch sehr informative Buch von  Wulf D. von Lucius “Bücherlust -Vom Sammeln” erlaubt (ISBN: 3770147243 ), wer es eher literarisch, unterhaltend liebt, sollte zu Umberto Ecos “Die Kunst des Bücherliebens” (ISBN: 3446232931) greifen.

Hin und wieder wird auch ein neues Sammelobjekt “geboren” und facht ein neues Feuer an:
Über die Lektüre des Buches “Die Arbeit der Nacht” (ISBN: 3446207627 ) des von mir hochgeschätzten österr. Jungautors Thomas Glavinic und durch seinen Auftritt im Literaturhaus in Hamburg habe ich eine neue Sammelart für mich entdeckt; ich nenne es “Motivsammeln”.
Glavinics Protagonist erwacht eines Morgens und stellt fest, dass er völlig allein ist auf der Welt. Irgendwie ist er als einziger der gesamten Menschheit “übriggeblieben”. Skurril und phantastisch geht es weiter, stets beunruhigt folgt der Leser den verzweifelten Handlungen des einsamen Helden im menschenleeren Wien und darüber hinaus.
Also ein Thema, das mich als langjährigen SF- und Phantastik- Freund von der ersten Zeile ansprach. Nachdem Glavinic dann noch im Literaturhaus berichtete, dass Herbert Rosendorfer ihn in einem persönlichen Brief darauf hingewiesen hat, dass dieses Grundmotiv nicht neu sei, sondern diverse Male auf die unterschiedlichste Art und Weise, u. a. von ihm selbst (“Großes Solo für Anton”, ISBN: 3257203292 ) ausgeführt worden sei, machte ich mich neugierig daran, eine Bücherliste zu erstellen, denen dieses phantastische Motiv zugrunde liegt, und bei meinen Gängen durch die Buchhandlungen und Antiquariate wollte ich mir dann das eine oder andere (oder alle)  besorgen.
Das ist mittlerweile drei Jahre her, aber welch eine Bereicherung durfte ich in dieser Zeit via neues Sammelziel erfahren, wie viele neue Entdeckungen machen! Dieses Motiv wurde so vielfach behandelt, meist natürlich von SF-Autoren, aber auch von ungewöhnlich vielen literarisch anerkannten (Mainstream-) Schriftstellern;  der Bogen geht von Philip K. Dick, über  Marlen Haushofer, bis hin zu Arno Schmid (“Schwarze Spiegel”, ISBN: 3518188712 ).

Meine Liste ist mittlerweile rund 150 Titel lang, wunderbarer Quell für Stöberziele,  anregende, spannende Lektüre und aufregende Entdeckungen im Bücherkosmos.

Suchen Sie ein literarisches Motiv, das Sie gefesselt hat, halten Sie Ausschau nach motivähnlichen Werken und beginnen Sie mit der Aufstellung einer persönlichen Suchliste; Sammlerfreuden sind Ihnen gewiss.

Ihr

Rudolf Angeli
ANGELIBRI

Angebotsbündnis unabhängiger Antiquariats- Homepages (AUAH)

Montag, 11. Mai 2009

Das Web2.0 ist ein social web. Es funktioniert ohne große Hierarchien, leader und die bekannten, alten Strukturen. Und das wunderbar gut. Im April formierten sich eine Reihe von Antiquariaten zu einem lockeren, aber für die Liebhaber des antiquarischen Buches attraktivem Bündnis: Ziel ist es, den bestehenden Kunden und zukünftigen Neukunden erweiterte Kaufanreize durch Nachlässe und reduzierte/ entfallende Versandkosten zu bieten. Damit verbindet sich folgerichtig auch eine erhöhte Motivation des Katalogstöberns auf den eigenen Homepages dieser Antiquariate.

Wie sieht das Angebot aus? Wer bei den sich beteiliegenden Antiquariaten auf ihren jeweiligen Homepages direkt bestellt und nicht über die großen Plattformen, erhält Nachlässe auf die Buchpreise des antiquarischen Angebotes und Versandkostenersparnisse.

Entstanden ist die Idee über Twitter und war ebenso schnell umgesetzt. Die Antiquariate weisen auf ihren Blogs/ Homepages auf diese Gemeinschaftsauktion hin und promoten damit auch über die Homepage-Links die Kollegen.

Auch ANGELIBRI hat sich dieser Gemeinschaftsaktion angeschlossen. Für mich ist das ein wunderbares Beispiel, wo die Reise hingeht, und wie einfach es auch sein kann, zielgerichtete kleine “Netze” ins Leben rufen und Win-Win-Situationen für Verkäufer und Käufer schaffen.
Dass ausgerechnet Antiquare so aktiv in der modernen Netzwelt agieren, hätte ihnen wahrscheinlich so mancher gar nicht zugetraut. Ich bin sicher, dass diese Aktion erst der Anfang war und den Startschuß gegeben hat zur heute notwendigen Gemeinschaftsbildung, um der sich völlig verändernden Handelswelt zu stellen und gemeinsam erfolgreich zu bleiben / zu werden.
Was erwartet den bibliophilen Netzsurfer: aktuell bieten sich ihm 19 Homepages (Antiquariate) zum Bücherrundgang und den geschilderten Sonderkonditionen. Die Antiquariate decken die Genres und Interessen vielfältig ab. In Summe sind es über 260.000 Einzeltitel, die bei diesen Händlern gelistet sind. Wahrscheinlich sind es nochmal soviel an bisher noch nicht gelisteten Bücherschätzen der Antiquariatsbestände. Sprechen Sie die Antiquare einfach auf ihre nicht gefundenen Wünsche an. Die Chance ist sehr groß, daß Ihnen kurzfristig geholfen werden kann. Die Liste der Bündnis-Antiquariate ist offen; es kommen im Verlaufe der Zeit sicher noch mehr dazu. International sind wir bereits.

Ich persönlich freue mich über dieses gemeinsame Vorhaben zum Wohle unserer Kunden und bin schon gespannt, was wir uns noch einfallen lassen.

Wenn mal wieder ein verregnetes Wochenende naht, machen Sie einfach einen extensiven Antiquariatsbummel, direkt aus ihrem Wohnzimmer heraus. Die Adressen-Links der anzusteuernden Online-Läden hierfür finden Sie auf dieser Blogseite.

Einen bibliophilen und erfolgreichen Einkaufsbummel wünscht

Rudolf Angeli
ANGELIBRI

Antiquar in Twitterland

Montag, 20. April 2009

Hinauf in das Vogelnest

Während meiner Aufenthalte in Xinglandia auf dem neu entdeckten Kontinent Web2.0 wurde ich durch meine “Antiquariatsgeschwister” auf einen weißen Vogel aufmerksam, dem ich schließlich neugierig in sein Nest folgte. Es ist erst wenige Wochen her und ich frage mich, wie ich da je wieder herauskomme, so traumartig und bizarr ist diese Welt hinter meinem Screen, eine Art Mischung außerkörperlicher Erlebniswelt und quantenmechanischer Seelenverschränkung.
Fühle mich zuweilen wie James Steward im Fenster zum Hof, der hineinblicken kann in die oft weitgeöffneten laden- und vorhanglosen Fenster der anderen, teilhat an den alltäglichen Verrichtungen, ihren Ansichten und Lebensweisen, der ihren Tagesrhythmus erfährt, aber auch ihre kleinen Sorgen, Nöte oder Missgeschicke und sie begleitet auf weiten Reisen oder auch nur beim Gang zur Post.
In diesen ersten Wochen beschränke ich mich meist auf Schauen, Lesen, Lernen, Staunen. Es gibt so viele “Fenster”, in die man spähen kann! Neben den bereits Bekannten, Freunden und Verwandten bieten sich unzählbar Fremde und auch Prominente zum “Folgen” an. Die Auswahl über die Suche oder den knappen Schaufenster-Profilen fällt oft schwer, so lass ich mich beim Vorstoß auf unbekanntes neues Terrain oft durch den Zufall leiten fast wie 
The Dice Man”  in Luke Rhineharts kultigem Roman.
Neugierig folge ich David Lynch, dem Regisseur eigenartig surrealer Filme, auf seinen Reisestationen über Moskau, Kiew, München und Paris; stelle freudig fest, dass auch John Cleese (s. Monty Python und “Ein Fisch namens Wanda”) still alive  ist und nehme ihn auf meine Follower-me-Liste.
Wer will, kann auch den publikumsträchtigen tweets  des neuen amerikanischen Präsidenten Obama folgen, muss sich jedoch hüten vor fakes und falschen Atavaren.
Twitterland ist seltsam grenzen- und zeitlos; es ist auch das Land, wo die toten Dichter wieder zum Leben erwachen und 140-zeichen-begrenzt mitzwitschern. Man folgt den tweets von Poe und Lovecraft oder Kafka in Prag.
Die Gleichzeitigkeit und Raumlosigkeit in Twitterland verschaffen den Gerüchten, Wort- und Bildnachrichten den eindeutigen Sieg über andere Medienkanäle. Diese Gleichzeitigkeit des ErLebens ist es auch, die mich an Stanislaw Lems beeindruckende Buchrezension des nicht existierenden Bibliotheksbandes “Eine Minute der Menschheit” der fiktiven Autoren J. Johnson  und S. Johnson erinnert; auch Philipp K. Dick hat in einigen Stories ähnliche  Parallelerlebniswelten bereits vor Jahrzehnten vorempfunden und sie zum Thema seiner phantastischen Erzählungen gemacht. Über beide Autoren wird noch zu berichten sein.  
Science Fiction und Phantastik haben mich seit meiner Jugend gefesselt und bestimmten einen Großteil meines Literaturkonsums; in den letzten Jahren ließ dies nach. Der Grund wird immer klarer: absolut nichts ist phantastischer als die Wirklichkeit! Man sperre Augen und Ohren weit auf, und der Hunger nach dem Sonderbaren, Exzeptionellem, Fesselndem, Phantastischem wird rasch und doch nie vollends gestillt werden.
Die neue Beziehungsform in Twitterland ist nicht unumstritten. Wie jeder neue Hype unserer modernen Welt spaltet dieser Kommunikationskanal weltweit die Gesellschaft. Der Großteil nimmt ihn gar nicht zur Kenntnis, ein anderer großer Teil ist von exorbitanter Skepsis beseelt. Natürlich sind auch Wissenschaftsvertreter nicht fern, die klare Gesundheitsbedrohungen erkennen. Der Informationsoverkill, diese permanente Kakophonie  an menschlichen Geistesblitzen und –furzen (gottseidank nur 140 Zeichen lang) sei schädlich, ja unerträglich fürs Gehirn. TILT!
Dass aber ausgerechnet die Büchermenschen, die Antiquare sich vermehrt im Web2.0 bei Xing, Facebook, ihren eigenen Blogs und auch in Twitterland tummeln (s.- Boersenblatt-Beitrag), ist doch erwähnens- und bestaunenswert; zwar wird Sinn und Zweck und Ziel eifrigst diskutiert und hinterfragt, betrachtet man ihre Homepages und Blogs, so wird bei den meisten klar, sie meinen‘s ernst, sie wollen und werden die virtuelle Welt erobern. Die vielfach erkennbare Professionalität und gestalterische Liebe ist beispielgebend. Und nun erobern sie auch Twitterland. ….Poesie zieht ein und mischt sich mit Banalem.
Und ich? Wie ist mein Verhältnis zum neuen, unbekanntem Land? Nun, ich freue mich morgens, wenn der Tag erwacht ist und die Vögel in unserem Garten ihre Lieder angestimmt haben, dass auch Twitterland erwacht und aus allen Teilen Deutschlands, Schweiz und Österreichs ein fröhliches Guten Morgen erklingt, denn irgendwie sind mir einige Twittervögel auf eine ganz seltsame Art vertraut geworden und ich möchte sie nicht missen.
Warum mir allerdings der 1996 verstorbene
Timothy Leary seit gestern folgt, gibt mir Rätsel auf.

Rudolf Angeli
AngeLibri in Twitterland
Buchsalon-Angelibri 

 

Jetzt lauschen sie vom Zauberland
    Der wunderbaren Mähr’;
    Mit Thier und Vogel sind sie bald   
    In freundlichem Verkehr,
    Und fühlen sich so heimisch dort,
    Als ob es Wahrheit wär’. –

(Alice’s Adventure in Wonderland, Lewis Carroll)

Antiquariat und Internet (Teil 1)

Mittwoch, 08. April 2009

Ein echter Diskussions-Dauerbrenner in der Branche. Große Chancen oder Teufelszeug? Wie sieht die Zukunft des Antiquariatsgeschäfts aus? Hat das gute Buch, das alte Buch überhaupt Zukunft? Gibt es denn noch richtige Leser, Sammler und Bibliophile alten Schlages, die die Kultur und ihre wahren Güter hochhalten? Kann ein Antiquar ökonomisch überleben? Sterben seine bisherigen Zielgruppen aus ohne dass neue nachwachsen bzw. ausfindig gemacht werden können? Die Reihe der Fragen ist schier endlos. Wie wirken sich E-Commerce, Ebook, Blogs, Twitter und überhaupt die wachsende virtuelle Netzwelt aus? Über die richtigen Antworten und Prognosen wird heftig debattiert und schwadroniert,  die Wogen gehen tsunamiartig hoch.
Ich möchte an dieser Stelle nicht weiteres Öl auf dieselben gießen, sondern in lockerer, sporadischer Beitragsfolge Teilthemen beleuchten und Hinweise, Tipps, Anregungen geben, wie der “neumodische Kram” im wahrsten Sinn des Wortes behandelt werden kann. Die neue Welt hält vieles bereit und täglich kommt wunderbares dazu.
Man braucht nur ein paar Eigenschaften, um sich diese Welt zu erschließen:
Veränderungsbereitschaft, Aufgeschlossenheit und unstillbare Neugierde.
Hinweis:
 AMAZON: Von vielen geschmäht… und doch der größte virtuelle Marktplatz für Bücher, auch für gebrauchte/ antiquarische. Seitdem die großen Internet-”Kontinente” (AMAZON, GOOGLE und Co) ihre Millionen gespeicherten Bits and Bytes viel freizügiger zur Verfügung stellen, können neben den eigentlichen umfangreichen Basisdaten (Buchtitel und was sich alles darum rankt -Beschreibungen, Rezensionen, Listen, etc-  auch “versteckte” Informationen sichtbar gemacht werden.
Auf der site von Steve Weber findet sich eine sogenannte buyer’s waiting list für AMAZON.com, absteigend sortiert nach “Preisen” (Wertangabe des suchenden, willigen Käufers, bis zu welchem er bereit ist, den Kauf zu tätigen). Wem die Seitenspringerei zu mühsam ist: hier die komplette Liste auch für die eigene Harddisk.
Leider gibt es vergleichbares für die deutsche AMAZON-Seite noch nicht.
Eine weitere hilfreiche Informationsquelle bei AMAZON ist die sogenannte Ranking-Zahl (Verkaufsrang) des Buchtitels. Dieses Ranking erfolgt nach verkauften Stückzahlen und wird bei den ersten 10.000 stündlich aktualisiert. Ranking number 1: absoluter TOP-Seller; > 1 Mio meist “ziemlicher Ladenhüter”. Anhand dieser Sales Rank Ziffer können Amazon-Verkäufer abschätzen, wie lange sie auf den Verkauf eines gelisteten Titels warten müssen. Weitergehende Details können hier nachgelesen werden.

Hinweis: EUROBUCH: Suchmaschinen sind auch für das Antiquariatsgeschäft ein unentbehrliches Hilfsmittel geworden. Mit permanent wachsenden zusätzlichen Dienstleistungen buhlen die Suchmaschinenbetreiber um die Gunst ihrer Nutzer. Die Meta-Suchmaschine EUROBUCH.COM, die ich als sehr empfehlenswert empfinde, ist sehr fortschrittlich im Ausbau ihres ergänzenden contents. EUROBUCH deckt eine Vielzahl an Bücherportalen und Plattformen ab, einzig -bedauerliche- Ausnahme ZVAB.
Etwas versteckt unter der Seite “Bücher” findet sich eine SUB-Suchmaschine, die sogenannte Preistendenz Buchdatenbank, die nach Eingabe einer ISBN die von der Suchmaschine gespeicherten Suchen der Vergangenheit auswertet und statistische Ergebnisse, zum Teil in graphischer Form liefert. Die gefundenen Vergangenheits-Preisangebote und die sich entwickelnde Preistendenz sind meines Erachtens eine sehr hilfreiche Information bei eigenen Preisüberlegungen und -kalkulationen.
Direkt im Anschluss an die statistische Auswertung kann eine aktuelle Buchsuche dieser ISBN erfolgen.
An diesem Beispiel ist auch ersichtlich welche Informations- “Schätze” die Suchmaschinenbetreiber auf ihren Datenbanken ansammeln. Man muss sie nur intelligent und (Kunden-) zielgerecht heben.

-Wird fortgesetzt-

Rudolf Angeli
Buchsalon