Mit ‘Antiquariat’ getaggte Artikel

Digitalisierung unserer Bibliotheken - Babylonische Wiedererrichtung Alexandrias

Samstag, 13. Februar 2010

Seitdem ich mich näher mit diesem aufkommenden Thema beschäftige und aufmerksam auch die Gazetten nach entsprechenden Artikeln durchsehe bzw. sensibilisiert im Web nach diesem Trend suche, fühle ich mich in meiner Einschätzung stark bestätigt. Im Spiegel der vergangenen Woche erschien ein umfangreicher Artikel über ein beachtenswertes Vorhaben der “Deutschen Digitalen Bibliothek” (siehe auch Spiegel-Archiv), das von der Bundesregierung im Dezember 2009  -auch als Gegenpol zu Google-Books- beschlossen wurde:
Ziel ist es, neben Millionen an Büchern auch Filme, Bilder und Tonaufnahmen im Internet zugänglich zu machen. Die mitwirkenden Quellen sollen 30.000 Bibliotheken, Museen und Archive sein, die ihre Kulturgüter digitalisiert beisteuern sollen. Deutschland und auch andere europäische Nationen, in denen ähnliche Projekte laufen, stehen also nicht zurück gegenüber Amerika. Die DDB soll dann auch Bestandteil eines Gesamteuropäischen Projektes, “Europeana“,  werden.

Wenn hierbei von einem “Quantensprung” in der Welt der digitalen Information die Rede ist, so dürfte dies nicht untertrieben sein. Neben den vielen positiven Aspekten, ja paradiesischen Zukunftshoffnungen, die damit geweckt werden, dürfen aber auch die erdbebenhaften Erschütterungen, die diese Entwicklung für uns Antiquare zur Folge haben wird, nicht verdrängt werden. Die bisherigen, jahrzehntelangen Geschäftsmodelle der Antiquariate geraten ins Wanken. Die nach alten, originalen Büchern nachfragende Kundschaft wird auf eine kleine Nischenmenge zurückgehen, die für sich alleine den meisten Antiquariaten kein Überleben sichern kann.

Einzige richtige Vorgehensweise angesichts dieser rasanten und totalen Veränderung unserer Antiquariatslandschaft: keinesfalls wie das Kaninchen vor der Schlange untätig und gelähmt vor einer scheinbaren Horrorzukunftsvision verharren, sondern die positiven Seiten dieser Entwicklung sehen, ja sich begeistern lassen von zusätzlichen Möglichkeiten, die die Öffnung der Bibliothekenschätze innoviert.
Die ersten, kleinen beispielhaften Projekte, die im Rahmen meines neuen ANGELIBRI - Faksimile- Reprint Services (in Zusammenarbeit mit KIRTASBOOKS), derzeit  laufen, zeigen deutlich, dass die Antiquariatskunden den neuen Möglichkeiten sehr aufgeschlossen gegenüberstehen und gerne auf ein Faksimile-Reprint zu günstigen Preisen zurückgreifen.

Mut für die Zukunft unseres Gewerbes macht aber dabei auch, dass ein digitalisiertes Format zusätzlich gewünscht wird, und die Suche nach dem Original nicht ersetzt, sondern ergänzt und uns damit zusätzliche Geschäftschancen eröffnet!

Ich werde über weitere Entwicklungen und meine Erfahrungen berichten.

Ali

Gutenberg und (k)ein Ende?

Mittwoch, 02. Dezember 2009

In diversen Postings -hier und an anderer Stelle- habe ich bereits meinem vagen Gefühl Ausdruck verliehen, dass wir in einer unglaublichen Zeitenwende leben, was aber viele, ja die meisten nicht wahrhaben wollen: das gedruckte Buch, so wie wir es kennen und schätzen, geht seinem (raschen) Ende entgegen; der jahrhundertlange Gutenbergzyklus wird abgelöst. Noch zögere ich, ob nicht doch ein Fragezeichen diese Aussage beenden sollte, noch frage ich mich, ob man dies so klar und unmißverständlich schreiben kann ohne Gefahr zu laufen, für einen nicht ernst zu nehmenden Spinner und Phantasten zu gelten.
Doch die Zeichen, Hinweise, täglichen Neuigkeiten über die Veränderungen in der Welt, die immens wachsenden Diskussionen mit zunehmender Ernsthaftigkeit, ja Besorgnis innerhalb der unterschiedlichsten Gruppen über dieses zentrale Thema bilden ein Fixierbad, das ein nicht mehr zu leugnendes neues Bild von der Zukunft/ Ende des Buches schimmernd erscheinen lässt.
Sicher, ich werde ohne Zweifel auch in zehn Jahren noch meine kleine Bibliothek besitzen, werde auch noch Bücher kaufen können und dies auch tun; aber das Buch wird dann in allen seinen Ausprägungen (Nachschlagewerk, Lern- und Lehrmittel, Unterhaltungsmedium, Wissenschaftsdokumentation, etc) eine absolute Nebenrolle spielen. Auf allen Ebenen wird es zum absoluten  Nischenprodukt mutieren für einzelne wenige Nutzer und Liebhaber.
Diejenigen, die dann noch Bücher in ihren Häusern haben, bewahren diese in den Regalen wie einige heute noch Schallplatten aus den 60er oder 70er Jahren besitzen (wobei eigenartigerweise ein aktueller Modetrend der vergessenen LP wieder Auftrieb verleiht).

Nach den ersten Entgegnungen wie: “Blödsinn! Quatsch! Es wird immer Bücher geben! Die Branche wächst! Jedes jahr kommen mehr als eine Million Bücher hinzu! Usw”
sollte man sich besser schlicht der Frage stellen und ihre Folgen durchdenken, auch wenn es einem nicht schmeckt, man es ärgerlich, bedrohlich oder sonstwas findet. Das Kulturgut Buch hat seine Kleidung verloren wie der Kaiser bei Andersen. Es wird auch meist nicht mehr wertgeschätzt wie in den Jahrzehnten, Jahrhunderten der Vergangenheit.
Welche Folgen hätte diese meine ungeheure Aussage/Behauptung, wenn sie denn in dieser radikalen Form oder mit nuancierten Färbungen Wirklichkeit wird? Folgen für den Buchhandel, die Antiquariate, die Sammler,… die Leser, ja (ohne Pathos) die Menschheit?

Einige dieser Folgen lassen sich bei sensiblem bewußten Beobachten, Hinhören und Analysieren täglich erkennen. Das Verschwinden der antiquarischen Ladenlokale, das Verschwinden der Sammler, ja das Verschwinden der Leserschaft. Dem stehen gegenüber: der irrwitzig ansteigende Angebotsmarkt übers Internet, der gewaltige Wandel im gesamten Mediengeschehen, die unaufhaltsame Komplettdigitalisierung jeglicher Informationen.
Die Talfahrt der Handelspreise antiquarischen Bücher wird mittlerweile auch von Antiquaren, die in einer Art Illusionswolke leben, nicht mehr geleugnet.

All dies schreibt ein Antiquar, der bibliophil denkt und fühlt, dessen liebster Aufenthalt zwischen den Buchdeckeln ist und für den ein Leben ohne solcherart bedrucktes, wundervoll gebundes Papier nicht vorstellbar ist, da es ihm Sinn und Nahrung zugleich schenkt.
Dass ich mit derartigen, keinesfalls defätistischen Gedankengängen kein “Einzeltäter” bin, der sich solchen Fragen stellt und mögliche Zukunftsvisionen durchdenkt, bezeugen zwei sehr lesenswerte aktuelle Erscheinungen, die ich unbedingt zur Lektüre und weiteren Vertiefung des Themas empfehlen möchte:
Vor kurzem erwarb ich The Case for Books -Past, Present, and Future” von Robert Darnton, das nach dem “Anschnuppern” sofort den obersten Platz meines SzlB (Stapel zu lesender Bücher) eroberte. Der sicher überaus kompetente R. Darnton behandelt in den Essays dieses Buches exakt die angerissenen Fragestellungen.
Er beginnt sein Buch einleitend: “This is a book about books, an unashamed apology for the printed word, past, present and future. It is also an argument about the place of books in the digital environment that has now become a fundamental fact of life for millions of human beings. Far from deploring electronic modes of communication, I want to explore the possibilities of aligning them with the power that Johannes Gutenberg unvleashed more than five centuries ago. What common ground exists between old books and e-books? What mutual advantage link libraries with the Internet? Those questions may sound empty in the abstract, but they take concrete form in decisions made every day by players in the communication industry - webmasters, computer engineers, financiers, lawyers, publishers, librarians and a great many ordinary readers.” Aus dem Klappentext: “…But is the era of book as we know it -a codex of bound pages- coming to an end? And if it is, should we celebrate its demise and the creation of democratic digital future, or mourn an irreplaceable loss?…”
R. Darnton ist Direktor der Harvard University Library, Universitätsprofessor und gilt als Pionier auf dem Feld der Geschichte des Buches.
Die Lektüre verspricht sehr interessant und spannend zu werden. Zu welchem Schluß wird er letztlich gelangen?
Dies Buch konkurriert sehr mit einem zweiten Buch (das ich ebenfalls sehr empfehlen möchte) um meine Lesegunst:
Ken Aluettas “Googled - The End of the World as We Know It“.  Zentrales Thema: wie Google die Welt rasch und unaufhaltsam verändert.
Ich sehe starke und unmittelbare Zusammenhänge, Abhängigkeiten und Einflüsse zwischen diesen beiden Themen, der dominierenden Entwicklung von Google und dem Verschwinden der Bücher Gutenbergs -als eine der Folgen des weltweiten Wandels. Spannende Lektüren beide, werde also auch parallel lesen, auch wenn das Englisch etwas mühevoller ist. SF, aktuelle Technik, Sozial- und Geschichtsphilosophie in einem.

Das einzige, was mir ironischerweise, aber auch beruhigend auffällt: beide visionären Essays / Abhandlungen finden sich zwischen unseren altvertrauten und -bewährten Buchdeckeln aus Pappe mit Schutzumschlag auf schwarzbedrucktem Papier.

ALI

Antiquariat und Internet (Teil 6, letzte “Zählung”, da eigentlich nichts mehr ohne das Web “läuft”)

Montag, 30. November 2009

Schöne neue digitale Antiquariatswelt:

Da erreichte mich doch heute eine mail aus Südafrika zu der dort laufenden Antiquariats-Auktion Nr. 70 bei auctionexplorerbooks :

<<Hello,

You may have noticed than our auction 70 ‘lost’
many of the items for sale on Saturday and Sunday.

We have now discovered that the site was hacked by
sophisticated hackers in Vietnam (traced by their IP addresses)
using a special tool to breach our security codes etc.

The breach has now been patched and extra security
added.

The auction has been restored to where it was interrupted
on Saturday night.

Please check your bids (via My Bids at the top of the page)
and the items you are ‘watching’.

You may need to re-enter some bids.

We will now continue the auction as normal and it will end at
the usual time of 16.30 gmt (18.30 SA time) on Thursday
evening.

Please let me know if you notice anything usual.

africana@clarkes.co.za

(+27) 021 794 0600

We very much regret this incident and thank you for
your understanding a patience.

Regards

Paul>>

Hoops, nun werden also auch Buchauktionen von Hackern als lohnenswerte Ziele ausgespäht und angegriffen. Bisher fühlten wir uns mit unseren “alten Büchern” doch relativ sicher, da vermeintlich uninteressant für solche Zeitgenossen. Dies lässt vermuten, dass die Zeit nicht fern ist, wo größere Buchplattformen oder auch Einzel-Antiquariats-Shops ins Zielradar der bösen Mächte geraten. Die SPAM-Mafia hat uns eh schon im Blickfeld, ihre Schrotschüsse treffen unsere Mailsysteme, Blogs etc.

Also, noch mehr auf der Hut sein und neue Feuerwände einziehen!

Angelibri

Interessantes Web-Tool “ZMAGS”

Freitag, 06. November 2009

Attraktives Web-Tool endeckt: ZMAGS.

Könnte sich gut zur Katalogerstellung, Präsentation, Buchshop etc. eignen. Mit tollen Features und Zusatzapplikationen. Ich konnte leider auf die Schnelle keinen Preis ausfindig machen. Vielleicht haben die Leser mehr Glück.

An dem Beispiel sieht man aber deutlich, wohin die Entwicklung geht. Online-Magazine können kinderleicht selbst erstellt werden, das Lesen selbst erhält durch Links und andere Verknüpfungen eine andere Ebene, die medialen Grenzen verschwinden. Man male sich nur mal einen Buchkatalog und seine Präsentation in dieser Form aus, und man bekommt eine Ahnung von der nahen Zukunft, auch die der Antiquariate. Möchte gerne mal einen Test machen.

Übrigens ZMags twittert auch.

Neue Formen des Lesens: VOOKS

Dienstag, 13. Oktober 2009

Aus alter Verbundenheit zur süddeutschen Heimat lese ich, sozusagen als zweite Tageszeitung, regelmäßig auch die Süddeutsche Zeitung. Besonders gerne auch die Montagsausgabe, da sie eine Beilage mit Artikeln der New York Times bietet. Zum einen sorgt diese Beilage dafür, dass meine englischen Sprachkenntnisse nicht verloren gehen, zum anderen sind viele der ausgesuchten Artikel sehr lesenswert und spiegeln die Entwicklungen in den USA nach Europa.
In der gestrigen Ausgabe, passend zu  dem Beginn der Frankfurter Buchmesse, war über die Neudefinition des Lesens mit “Hybrid Büchern” zu lesen.  

Das Buch, das seit 500 Jahren keine wirklich grundlegende Veränderung in Rezeptur, Herstellung, Aufmachung und Nutzung erfahren hat, erlebt gerade in unseren Tagen doch einen riesigen “Evolutionsschub”. Und wie in der Evolution in der Natur erfolgen Veränderungen weder streng linear, noch oberflächlich rational und transparent verständlich.
Es gibt hin und wieder evolutionäre Sprünge, viele unterschiedliche, mögliche Entwicklungszweige werden probiert, weiterverfolgt oder kurz darauf wieder eingestellt. Die Entwicklung selbst erfolgt nie abgeschottet aus sich allein heraus, sondern im ständigen Abgleich mit der Umgebung, die damit ebenfalls die Entwicklungsrichtungen und deren Tempo beeinflusst.

Lange Zeit habe ich mich auch gegen die Vision vom Sterben des Buches, wie wir es kennen und lieben, gewehrt. Wollte diese Entwicklungen nicht wahrhaben und saugte gierig die gegenteiligen Erläuterungen der Experten (Verleger, Buchhändler, Antiquare, Autoren und auch Leser) und Freunde und Bekannten auf, die darauf hinausliefen, dass das Buch Bestand haben wird, weil es in seiner materiellen Form vollendet sei und durch nichts zu ersetzen. Doch zunehmend spüre und ahne ich, dass wir uns selbst täuschen, uns was vormachen, es einfach nicht wahrhaben wollen und daher wegschauen. Es fehlt uns der klare Blick und die innerliche Akzeptanz, dass die immer schneller sich vollziehenden  und auch komplexer werdenden Veränderungen in der Welt nicht Halt machen vor bestimmten Lebensbereichen oder einen aussparenden Bogen um das Buch und die Art des Lesens  ziehen.
Nichts vollzieht sich ohne begleitende Zeichen, man muss sie nur mit allen Sinnen zur Kenntnis nehmen. Man sollte sich nicht täuschen lassen durch die vieltausendfachen jährlichen Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt, auch das Gutenbergzeitalter hat keinen Anspruch auf ewiges Leben. Unaufhaltsame Digitalisierung und vielfältige neue Techniken des Informationszeitalters gehen mit dieser sich anbahnenden Zeitenwende einher. Im Gleichschritt dazu wandelt sich der sehr flexible Mensch: zunehmende allgemeine Leseunlust  paart sich mit der neuen Art, Informationen zu suchen und aufzunehmen, sich zu bilden und Spiel, Spaß und Spannung zu genießen.

Wobei aber derartige Veränderungen, auch sehr große, nie abrupt erfolgen, so dass das Bisherige eines Tages völlig tot oder verschwunden ist. Das Neue kommt auf leisen Sohlen in die Welt, schleicht sich sozusagen ein, dringt in die laufende “Strömung” ein, vermischt, vermengt sich und bildet damit wieder etwas Neuartiges. 

Nun also “Hybrid Bücher”: In unsere geliebten, deckelgesicherten Buchblöcke dringen die modernen, lauten Medien ein. Eingesprengselt werden Videoclips, die erläuternd oder filmisch aufbereitet, uns einzelne Buchszenen, -teile  visuell näher bringen. Sie haben bereits auch einen neuen Namen: VOOKS!

Wahrscheinlich ist die Zeit nicht fern, wo “Lese”-Bücher und “Hör”-Bücher vereinigt werden, und wir mit einem “Stück Buch” die Wahl haben, ob wir ein Kapitel lesen oder lieber hören wollen. Der nächste Schritt wäre dann noch zusätzlich die Einspiegelung von Video-Clips, die uns bestimmte Szenen, Buchabschnitte von Schauspielern professionell offerieren oder wo wir den Autor selbst sein Werk lesen oder erläutern lassen können. Überwiegend ist der Mensch visuell ausgerichtet. Die Erfolge von Youtube und Flickr zeugen davon. Er ist ein Bildergucker; das geht auch schneller ins Gehirn und es bleibt in der Regel mehr dort haften.
(Die Antiquare sollten vermehrt Kunst- und Fotobücher in ihre Angebote aufnehmen. :-)

Manche werden sich wundern, warum gerade ich als Antiquar diese Zeilen schreibe.
…Ja, vielleicht gerade deshalb. …und auch im Bewusstsein, dass man zu einer Gattung gehört, die sich irgendwie zu etwas Exotischem entwickelt, sollte man sich nicht den Blick verstellen lassen vor der spannenden, vielfältigen Wandlungsmöglichkeit unserer Welt. 
Exotisch deshalb: Wo sind die echten Briefschreiber heute? Bald werden die wenigen auch ausgestorben sein. Auch das Briefmarkensammeln ist doch etwas aus der Mode gekommen. 
Vielleicht heißt es mal “Wo sind noch echte Bücherleser?” oder gar: … Sammler von Büchern der “guten (-bergschen) alten Art”? 

 

Neuer ANGELIBRI - BLOG für besondere Angebote

Dienstag, 02. Juni 2009

Zur Darstellung und Empfehlung besonderer Angebote aus meinem Antiquariat habe ich mit einem neuen BLOG begonnen: Immanuel Kant’s Werke (Erste Gesamtausgabe von 1838/39) werden als erstes “Special” in Wort, Bild und Diashow beschrieben.

Rudolf Angeli
ANGELIBRI

Angebotsbündnis unabhängiger Antiquariats- Homepages (AUAH)

Montag, 11. Mai 2009

Das Web2.0 ist ein social web. Es funktioniert ohne große Hierarchien, leader und die bekannten, alten Strukturen. Und das wunderbar gut. Im April formierten sich eine Reihe von Antiquariaten zu einem lockeren, aber für die Liebhaber des antiquarischen Buches attraktivem Bündnis: Ziel ist es, den bestehenden Kunden und zukünftigen Neukunden erweiterte Kaufanreize durch Nachlässe und reduzierte/ entfallende Versandkosten zu bieten. Damit verbindet sich folgerichtig auch eine erhöhte Motivation des Katalogstöberns auf den eigenen Homepages dieser Antiquariate.

Wie sieht das Angebot aus? Wer bei den sich beteiliegenden Antiquariaten auf ihren jeweiligen Homepages direkt bestellt und nicht über die großen Plattformen, erhält Nachlässe auf die Buchpreise des antiquarischen Angebotes und Versandkostenersparnisse.

Entstanden ist die Idee über Twitter und war ebenso schnell umgesetzt. Die Antiquariate weisen auf ihren Blogs/ Homepages auf diese Gemeinschaftsauktion hin und promoten damit auch über die Homepage-Links die Kollegen.

Auch ANGELIBRI hat sich dieser Gemeinschaftsaktion angeschlossen. Für mich ist das ein wunderbares Beispiel, wo die Reise hingeht, und wie einfach es auch sein kann, zielgerichtete kleine “Netze” ins Leben rufen und Win-Win-Situationen für Verkäufer und Käufer schaffen.
Dass ausgerechnet Antiquare so aktiv in der modernen Netzwelt agieren, hätte ihnen wahrscheinlich so mancher gar nicht zugetraut. Ich bin sicher, dass diese Aktion erst der Anfang war und den Startschuß gegeben hat zur heute notwendigen Gemeinschaftsbildung, um der sich völlig verändernden Handelswelt zu stellen und gemeinsam erfolgreich zu bleiben / zu werden.
Was erwartet den bibliophilen Netzsurfer: aktuell bieten sich ihm 19 Homepages (Antiquariate) zum Bücherrundgang und den geschilderten Sonderkonditionen. Die Antiquariate decken die Genres und Interessen vielfältig ab. In Summe sind es über 260.000 Einzeltitel, die bei diesen Händlern gelistet sind. Wahrscheinlich sind es nochmal soviel an bisher noch nicht gelisteten Bücherschätzen der Antiquariatsbestände. Sprechen Sie die Antiquare einfach auf ihre nicht gefundenen Wünsche an. Die Chance ist sehr groß, daß Ihnen kurzfristig geholfen werden kann. Die Liste der Bündnis-Antiquariate ist offen; es kommen im Verlaufe der Zeit sicher noch mehr dazu. International sind wir bereits.

Ich persönlich freue mich über dieses gemeinsame Vorhaben zum Wohle unserer Kunden und bin schon gespannt, was wir uns noch einfallen lassen.

Wenn mal wieder ein verregnetes Wochenende naht, machen Sie einfach einen extensiven Antiquariatsbummel, direkt aus ihrem Wohnzimmer heraus. Die Adressen-Links der anzusteuernden Online-Läden hierfür finden Sie auf dieser Blogseite.

Einen bibliophilen und erfolgreichen Einkaufsbummel wünscht

Rudolf Angeli
ANGELIBRI

Antiquariat und Internet (Teil 3)

Montag, 27. April 2009

Amazon hat zwischen 8 und 10 Millionen Bücher im Angebot. Bei der Mehrzahl gibt es auch ein überwältigendes Angebot an gebrauchten Büchern. Immer mehr Anbieter gehen ins Netz und versuchen sich als Verkäufer. Die nach unten sich bewegende Preisschraube durch das Anwachsen der Anbieter und Angebote hat zum Teil skurrile Formen angenommen. Mitunter werden die Bücher zum niedrigst erlaubten Preis von 0,01 € verschleudert. Von seriösem Gebraucht-, ja Antiquariatsgebahren kann keine Rede mehr sein. Macht es noch Sinn auf dieser Plattform zu verkaufen und wenn ja was?

… Und dennoch, auch unter den Millionenangeboten gibt es eine Vielzahl von Raritäten und Desiderata.

In einem meiner letzten Beiträge berichtete ich von der Buyer’s Waiting List (Amazon.com) auf Steve Weber’s Site.
Ab sofort startet ANGELIBRI mit einem Service, der ähnliche Informationen für die deutsche AMAZON-Seite listet. Auf der Seite “DL 21 Rare, gesuchte Bücher bei AMAZON.de-aktuelle Titelauswahl”  meines Blogs sind 21 Titel ausgewählt und gelistet, die bei Amazon sehr rar und gesucht sind.  Sie mögen als Anhaltspunkte dienen für den eigenen “Einkaufszettel” bei Antiquariaten oder Flohmärkten oder für eine sich aufbauende Liste nachgefragter, seltener Bücher.
Warum gerade 21? Nun, das ist eine Fibonacci-Zahl, und ich bin ein großer Verehrer von Fibonacci. Doch dazu mehr ein andermal.

Am Ende der Liste findet sich ein EUROBUCH-Such-Widget, um gleich zu recherchieren (auf anderen Plattformen) oder die Preistrendfunktion von Eurobuch zu der jeweiligen ISBN aufzusuchen.

Ich werde die Liste in unregelmäßigem Abstand aktualisieren. Schauen Sie einfach hin und wieder vorbei.

Rudolf Angeli
AngeLibri in Twitterland
Buchsalon-Angelibri 

Antiquariat und Internet (Teil 2)

Dienstag, 21. April 2009

Prognosen sind allemal schwierig, insbesondere wenn es sich um die Zukunft handelt (Mark Twain).

In Teil 1 meiner Beitragsreihe hatte ich bereits auf den hohen Nutzen der Suchmaschinen auch für den Gebrauchtbuchhandel hingewiesen. Der Economist verleiht in einem aktuellen Artikel, “Googling the future”  den Suchmaschinen (hier insbesondere Google) geradezu “hellseherische Fähigkeiten“, die weit bessere und schnellere Aussagen zu Zukunftstrends erlauben als es herkömmliche, ökonomische Trendmodelle vermögen. Mit dem Heben und Nutzen der gespeicherten Suchmaschinenschätze beginnt eine Ära zusätzlicher und qualitativ verbesserter Planungsmöglichkeiten für jegliches Handelsgeschäft.
Dies gilt auch für die Branche des antiquarischen Buchhandels, bei dem naturgemäß die Buch-Spezialsuchmaschinen zielgerichtete und gefilterte Auswertungsergebnisse bringen können, sofern die permanenten, viel tausendfachen Suchanfragen  gespeichert bleiben.

Hinweis: Die Metasuchmaschine EUROBUCH.COM veröffentlicht seit kurzem (u. a. angeregt durch ANGELIBRI) monatliche TOP-100-Listen. Diese zeigen ein Ranking der über ihre Suchmaschine angefragten und gefundenen Buchtitel. Auch der Blick zurück auf die Rankinglisten vergangener Monate ist möglich. Damit werden Nachfragefavoriten und deren Veränderungen (auch Bücher unterliegen “Mode”-Strömungen) transparent und können bei Ankaufs- und Angebotsstrategie helfen.

Die Gegenwart der Zukunft hat begonnen.

Rudolf Angeli
AngeLibri in Twitterland
Buchsalon-Angelibri 

Antiquariat und Internet (Teil 1)

Mittwoch, 08. April 2009

Ein echter Diskussions-Dauerbrenner in der Branche. Große Chancen oder Teufelszeug? Wie sieht die Zukunft des Antiquariatsgeschäfts aus? Hat das gute Buch, das alte Buch überhaupt Zukunft? Gibt es denn noch richtige Leser, Sammler und Bibliophile alten Schlages, die die Kultur und ihre wahren Güter hochhalten? Kann ein Antiquar ökonomisch überleben? Sterben seine bisherigen Zielgruppen aus ohne dass neue nachwachsen bzw. ausfindig gemacht werden können? Die Reihe der Fragen ist schier endlos. Wie wirken sich E-Commerce, Ebook, Blogs, Twitter und überhaupt die wachsende virtuelle Netzwelt aus? Über die richtigen Antworten und Prognosen wird heftig debattiert und schwadroniert,  die Wogen gehen tsunamiartig hoch.
Ich möchte an dieser Stelle nicht weiteres Öl auf dieselben gießen, sondern in lockerer, sporadischer Beitragsfolge Teilthemen beleuchten und Hinweise, Tipps, Anregungen geben, wie der “neumodische Kram” im wahrsten Sinn des Wortes behandelt werden kann. Die neue Welt hält vieles bereit und täglich kommt wunderbares dazu.
Man braucht nur ein paar Eigenschaften, um sich diese Welt zu erschließen:
Veränderungsbereitschaft, Aufgeschlossenheit und unstillbare Neugierde.
Hinweis:
 AMAZON: Von vielen geschmäht… und doch der größte virtuelle Marktplatz für Bücher, auch für gebrauchte/ antiquarische. Seitdem die großen Internet-”Kontinente” (AMAZON, GOOGLE und Co) ihre Millionen gespeicherten Bits and Bytes viel freizügiger zur Verfügung stellen, können neben den eigentlichen umfangreichen Basisdaten (Buchtitel und was sich alles darum rankt -Beschreibungen, Rezensionen, Listen, etc-  auch “versteckte” Informationen sichtbar gemacht werden.
Auf der site von Steve Weber findet sich eine sogenannte buyer’s waiting list für AMAZON.com, absteigend sortiert nach “Preisen” (Wertangabe des suchenden, willigen Käufers, bis zu welchem er bereit ist, den Kauf zu tätigen). Wem die Seitenspringerei zu mühsam ist: hier die komplette Liste auch für die eigene Harddisk.
Leider gibt es vergleichbares für die deutsche AMAZON-Seite noch nicht.
Eine weitere hilfreiche Informationsquelle bei AMAZON ist die sogenannte Ranking-Zahl (Verkaufsrang) des Buchtitels. Dieses Ranking erfolgt nach verkauften Stückzahlen und wird bei den ersten 10.000 stündlich aktualisiert. Ranking number 1: absoluter TOP-Seller; > 1 Mio meist “ziemlicher Ladenhüter”. Anhand dieser Sales Rank Ziffer können Amazon-Verkäufer abschätzen, wie lange sie auf den Verkauf eines gelisteten Titels warten müssen. Weitergehende Details können hier nachgelesen werden.

Hinweis: EUROBUCH: Suchmaschinen sind auch für das Antiquariatsgeschäft ein unentbehrliches Hilfsmittel geworden. Mit permanent wachsenden zusätzlichen Dienstleistungen buhlen die Suchmaschinenbetreiber um die Gunst ihrer Nutzer. Die Meta-Suchmaschine EUROBUCH.COM, die ich als sehr empfehlenswert empfinde, ist sehr fortschrittlich im Ausbau ihres ergänzenden contents. EUROBUCH deckt eine Vielzahl an Bücherportalen und Plattformen ab, einzig -bedauerliche- Ausnahme ZVAB.
Etwas versteckt unter der Seite “Bücher” findet sich eine SUB-Suchmaschine, die sogenannte Preistendenz Buchdatenbank, die nach Eingabe einer ISBN die von der Suchmaschine gespeicherten Suchen der Vergangenheit auswertet und statistische Ergebnisse, zum Teil in graphischer Form liefert. Die gefundenen Vergangenheits-Preisangebote und die sich entwickelnde Preistendenz sind meines Erachtens eine sehr hilfreiche Information bei eigenen Preisüberlegungen und -kalkulationen.
Direkt im Anschluss an die statistische Auswertung kann eine aktuelle Buchsuche dieser ISBN erfolgen.
An diesem Beispiel ist auch ersichtlich welche Informations- “Schätze” die Suchmaschinenbetreiber auf ihren Datenbanken ansammeln. Man muss sie nur intelligent und (Kunden-) zielgerecht heben.

-Wird fortgesetzt-

Rudolf Angeli
Buchsalon