Mit ‘Borges’ getaggte Artikel

Daniel Kehlmann in Hamburg

Freitag, 13. Februar 2009

Letzten Dienstag hatte ich das Vergnügen, Daniel Kehlmann im Schauspielhaus in Hamburg zu hören und zu erleben.
Das Kritikerlager ist ja mittlerweile etwas geteilt und damit sicher auch die Leserschaft, aber den außerordentlichen Fakten kann man nicht entrinnen:  ein junger Autor, der mit seinem Buch “Die Vermessung der Welt” wirklich Weltruhm erreichte (Verkaufte Exemplare: 1,5 Mio, übersetzt in 40 Sprachen) und nun in Hamburg für eine Autorenlesung mit 1.200 Menschen ein Theater füllte -das ist doch sehr bemerkenswert. Klar, auch eine Danella oder Konsalik erzielten noch weit höhere Verkaufszahlen (wie mir heute entgegengehalten wurde). Dennoch der Abend war sehr vergnüglich und anregend für mich und hat mich nochmals überzeugt, dass wir in Kehlmann einen sehr guten, intelligenten und durchaus auch neue Wege beschreitenden Autor haben, der auch in den kommenden Jahren noch vieles Lesbares und Nachdenkenswertes erwarten lässt. Seinen neuer Roman “Ruhm“, der hauptsächlich Gegenstand der Lesung und des kurzweiligen Gesprächs mit einem Zeitredakteur war, bezeichnete er selbst als Experiment: ein Roman bestehend aus neun in sich abgeschlossenen Erzählungen, die dennoch auf einer höheren Ebene miteinander verwoben sind. Diese horizontale Verknüpfung wird ergänzt durch ein weiteres vertikales Spiegeln zwischen Autor, Protagonist und Leser. Das “Experiment” steht mittlerweile bereits hoch in den Buchcharts.
Der “Draht” zu ihm verstärkte sich noch nach seinen Darlegungen über seine Literaturvorlieben (Lateinamerikaner wie z.B. Borges, oder Nabokov); auch die Nennung von Vorbildern wie Kafka, und seine vielfachen Einflechtungen und Auseinandersetzungen mit den Kommunikationsmitteln unserer Zeit in seinem Werk machen ihn für mich sehr anziehend.
Auf die Jugend haben seine Stoffe und seine Schreibe einen hohen Attraktionswert; merkte man auch am Publikum. Und dies nicht nur, weil er selbst noch zur (fast) Jugend gerechnet werden kann mit seinen 33 Jahren.

Was macht ein Antiquar bei einem jungen zeitgenössischem Autor? Mein Motto gilt nach wie vor: Die guten Bücher zeitgenössischer Autoren, die heute in den Sellerlisten geführt werden, sind die attraktiven, gesuchten Antiquariatstitel von morgen. Insbesondere deren Erstausgaben oder gar “Erste Bücher“. Und noch setze ich darauf, dass auch in Deutschland die Liebhaber und Sammler von Erstausgaben noch erhebliches Wachstumspotenzial haben, vergleicht man diese Sammlerspezies mit dem amerikanischen oder englischen Markt.

Zufrieden ging ich mit vier signierten Werken nach Hause.

Rudolf Angeli
ANGELIBRI
 http://www.buchsalon-angelibri.de/