Mit ‘Reprint on demand’ getaggte Artikel

Neues aus der digitalen, antiquarischen Welt.

Montag, 19. April 2010

Die Entwicklung hin zum digitalisierten antiquarischen Buch schreitet mit großen Schritten fort. Auch meine konkreten Praxis-Erfahrungen bestätigen diesen Trend. Meine ersten Dienstleistungsaufträge konnten nun  erfolgreich abgearbeitet werden. Nach zunächst etwas stockender Abwicklung mit KIRTASBOOKS (plötzlich eintretende “Funkstille” bei meinem dortigen Service-Partner), konnte ich den Kommunikationsfaden mittels life-chat und neuer Support-Partnerin wieder aufnehmen. Die erste Belieferung eines  digitized und reprint-on-demand Buches eines jurististischen Grundlagenwerkes von Somló aus dem Jahre 1917 war für meine Kundin und mich sehr zufriedenstellend: die hervorragnede Qualität und der unschlagbare Preis, trotz hoher Versandkosten, bestärken mich, diesen Weg fortzusetzen. Zwischenzeitlich konnte ich eine Digitalisierung + Reprint eines English-Herero-Dictionarys von F.W. Kolbe, 1883, Südafrika für eine andere Kundin beauftragen. In den nächsten Tagen darf ich mit dem postalischen Eingang aus den USA rechnen.

Meine erste Hoffnung, mich auf die Bestellung einer Digitalisierung und einer PDF-Datei beschränken zu können, und den Reprint hier in Deutschland durchführen zu lassen, um die Versandkosten zu sparen, erwiesen sich als nichtig. Die Copy- und Reprintrechte verbleiben in den USA, so dass eine weitergehende Nutzung der Datei hier in Deutschland leider aus rechtlichen Gründen nicht möglich erscheint.  Ich werde daher weiterhin deutsche Partner suchen, die ähnlich KIRTASBOOKS agieren können; dazu zählen sicher unsere großen Bibliotheken, Scan-Dienstleister u.a.

Der nun für Ende Mai angekündigte Verkaufsstart des Apple IPAD in Europa wird als zusätzlicher Beschleuniger dieser Entwicklung wirken. Man kann nur allen Antiquariatskollegen ans Herz legen, sich intensivst mit dieser Materie zu beschäftigen. Man braucht wirklich kein großer Prophet zu sein, die Dinge liegen einfach auf der Hand: das digitalisierte vergriffene, antiquarische Buch wird seine Käuferschichten finden und den eh schmäler werdenden Kundenkreis des alten Buches noch mehr verkleinern, so dass für alle Antiquariate, die sich nicht den erweiterten Möglichkeiten zuwenden, weitere Absatzmärkte verloren gehen werden.

ALI

Digitalisierung unserer Bibliotheken - Babylonische Wiedererrichtung Alexandrias

Samstag, 13. Februar 2010

Seitdem ich mich näher mit diesem aufkommenden Thema beschäftige und aufmerksam auch die Gazetten nach entsprechenden Artikeln durchsehe bzw. sensibilisiert im Web nach diesem Trend suche, fühle ich mich in meiner Einschätzung stark bestätigt. Im Spiegel der vergangenen Woche erschien ein umfangreicher Artikel über ein beachtenswertes Vorhaben der “Deutschen Digitalen Bibliothek” (siehe auch Spiegel-Archiv), das von der Bundesregierung im Dezember 2009  -auch als Gegenpol zu Google-Books- beschlossen wurde:
Ziel ist es, neben Millionen an Büchern auch Filme, Bilder und Tonaufnahmen im Internet zugänglich zu machen. Die mitwirkenden Quellen sollen 30.000 Bibliotheken, Museen und Archive sein, die ihre Kulturgüter digitalisiert beisteuern sollen. Deutschland und auch andere europäische Nationen, in denen ähnliche Projekte laufen, stehen also nicht zurück gegenüber Amerika. Die DDB soll dann auch Bestandteil eines Gesamteuropäischen Projektes, “Europeana“,  werden.

Wenn hierbei von einem “Quantensprung” in der Welt der digitalen Information die Rede ist, so dürfte dies nicht untertrieben sein. Neben den vielen positiven Aspekten, ja paradiesischen Zukunftshoffnungen, die damit geweckt werden, dürfen aber auch die erdbebenhaften Erschütterungen, die diese Entwicklung für uns Antiquare zur Folge haben wird, nicht verdrängt werden. Die bisherigen, jahrzehntelangen Geschäftsmodelle der Antiquariate geraten ins Wanken. Die nach alten, originalen Büchern nachfragende Kundschaft wird auf eine kleine Nischenmenge zurückgehen, die für sich alleine den meisten Antiquariaten kein Überleben sichern kann.

Einzige richtige Vorgehensweise angesichts dieser rasanten und totalen Veränderung unserer Antiquariatslandschaft: keinesfalls wie das Kaninchen vor der Schlange untätig und gelähmt vor einer scheinbaren Horrorzukunftsvision verharren, sondern die positiven Seiten dieser Entwicklung sehen, ja sich begeistern lassen von zusätzlichen Möglichkeiten, die die Öffnung der Bibliothekenschätze innoviert.
Die ersten, kleinen beispielhaften Projekte, die im Rahmen meines neuen ANGELIBRI - Faksimile- Reprint Services (in Zusammenarbeit mit KIRTASBOOKS), derzeit  laufen, zeigen deutlich, dass die Antiquariatskunden den neuen Möglichkeiten sehr aufgeschlossen gegenüberstehen und gerne auf ein Faksimile-Reprint zu günstigen Preisen zurückgreifen.

Mut für die Zukunft unseres Gewerbes macht aber dabei auch, dass ein digitalisiertes Format zusätzlich gewünscht wird, und die Suche nach dem Original nicht ersetzt, sondern ergänzt und uns damit zusätzliche Geschäftschancen eröffnet!

Ich werde über weitere Entwicklungen und meine Erfahrungen berichten.

Ali